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20. 05. 2016

Das Ende einer ruhmreichen Basketball-Karriere

Was vor der Jahrtausendwende beim damaligen TuS Jena seinen Ursprung hatte, sich über die zurückliegenden Jahre vorwiegend erfolgreich entwickelte, geht nun einem sonnig-meisterhaften Horizont entgegen. Guido Grünheid, waschechter Jenenser und das über die Jahre erfolgreichste Aushängeschild des Jenaer Basketballs hängt seine Sneaker nach 351 Erstligaeinsätzen sowie 38 Länderspielen an den berühmten Nagel. Egal ob in Berlin, Köln, Groningen oder Athen, ob beim Mitteldeutschen BC oder den Artland Dragons, in der Nationalmannschaft oder in zivil, der 2,08m große Flügelspieler galt über knapp 15 Jahre als wichtigster Botschafter des Jenaer Basketballs. Nun biegt der ehemalige Schüler des Jenaer Sportgymnasiums auf seine sportliche Zielgerade ein, wird seinen Lebensmittelpunkt zukünftig ins Rheinland verlagern und sich einer neuen beruflichen Herausforderung widmen. Eventuell ja nebenbei auch als Basketball-Trainer im Nachwuchsbereich, nachdem sich Jenas Nummer 31 in den zurückliegenden Monaten als Übungsleiter weiterbilden konnte. Als Jungspund kurz nach dem Start in das neue Millenium noch durch die Lobedaer Halle fliegend, regelmäßig die Spiele des TuS Jena mit einem spektakulären „Alley oop“ eröffnend, folgte der talentierte Flügelspieler früh dem Ruf von Ex-Serienmeister ALBA Berlin. Zwei Meisterschaften und Pokalsiege mit den Hauptstädtern (je 2002, 2003), ein weiterer Meistertitel und der Cupgewinn mit Köln (2006, 2007), eine Weltmeisterschaftsteilnahme 2006 in Japan, die Europameisterschaftsteilnahme 2007 in Spanien sowie zahlreiche Euroleague- oder ULEB-Cup-Schlachten sprechen in der Vita des mittlerweile 33-Jährigen eine deutliche Sprache. Das der erfolgreiche Abschluss mit einer Zweitliga-Meisterschaft und dem sportlichen Aufstieg in die Bel Etage des deutschen Basketballs ausgerechnet mit seinem Heimatverein gelang, hätte kein wohl Drehbuchautor besser erfinden können.

„Ursprünglich waren die Playoffs unsere primäre Zielstellung, die im Lauf einer unglaublich erfolgreichen Spielzeit auf einen Platz 'unter die ersten vier Teams' korrigiert wurde. Auch wenn wir intern hin und wieder mit dem Halbfinale geliebäugelt haben, von größeren Verletzungen verschont geblieben sind, haben wir in der zurückliegenden Saison mit dem Titelgewinn in der 2.Basketball-Bundesliga und dem Aufstieg in die BBL alle Erwartungen übertroffen“, sagte Grünheid rückblickend. „Insofern denke ich, dass nun der perfekte Zeitpunkt gekommen ist, meine Schuhe an den Nagel zu hängen. Ich habe mir diese Entscheidung keinesfalls leicht gemacht. Aber wie schon das Sprichwort sagt, sollte man aufhören wenn es am schönsten ist“, so der Jenenser. „Science City hatte ursprünglich geplant mich mit einem 2-Jahresvertrag auszustatten. Ich wollte aber erst einmal in meinen Körper hineinhören und erst dann entscheiden wie es weitergeht, sowohl sportlich als auch gesundheitlich. Das habe ich getan und mich entschieden, nach mehr als 15 Jahren Leistungsport meine Karriere zu beenden“, so Grünheid. „An dieser Stelle möchte ich allen Verantwortlichen und Fans meines Heimatvereins, die diese zurückliegenden Monate zu etwas ganz besonderem haben werden lassen, meinen Dank zollen. Ein besonderes Dankeschön geht zudem an meine Familie, die mich bei meinem sportlichen Werdegang immer unterstützt hat. Über die Jahre habe ich viel gesehen, genügend erlebt, hatte auch das Privileg in der Nationalmannschaft an der Seite von Dirk Nowitzki zu spielen. Ein Aufstieg hat bis zuletzt noch gefehlt. Umso schöner, dass ich dies mit dem Club aus meiner Heimstadt erreichen konnte. Damit schließt sich der Kreis meiner aktiven Zeit, nachdem ich im Winter 2000 zu ALBA Berlin gewechselt bin, während Jena in demselben Jahr in die 2.Liga aufsteigen konnte. Nun haben wir gemeinsam die sportliche Qualifikation für die BBL geschafft und ich bin stolz ein Teil dieser großartigen Mannschaft gewesen zu sein. Insofern könnte man sagen, dass ich persönlich mit Verspätung etwas zu Ende bringen konnte, was in Basketball-Jena kurz nach der Jahrtausendwende begann. Sportlich ging es bei meiner Unterschrift im September 2015 nicht darum nur ein wenig rumzudaddeln, sondern gemeinsam sportlich ambitionierte Ziele zu erreichen. Die Jungs wie Mac, Wayne oder Oli und Trainer Björn Harmsen waren dabei richtungsweisend, die Teamchemie herausragend“, sagt Jenas 31 zum Abschluss.

Trainer Björn Harmsen bedauert Grünheids Entscheidung, respektiert jedoch den Schritt seines langjährigen Wegbegleiters. „Wir sind in erster Linie sehr dankbar dafür, dass er für uns noch einmal eine Saison gespielt hat. Ich habe mit ihm zweieinhalb Jahren in einer Trainer-Spieler-Situation gearbeitet, mit ihm früher selbst zusammengespielt, wir waren gemeinsam auf der Sportschule, insofern ist Guidos Karriereende natürlich ein großer Verlust, sowohl sportlich aber natürlich auch hinsichtlich seiner Persönlichkeit“, sagt Björn Harmsen. „Er ist ein großartiger Mensch, war unser erfahrenster deutscher Akteur und als Ansprechpartner für unsere jungen deutschen Spieler ein immens wichtiger Bezugspunkt. Er hatte eine wichtige Rolle als Leitfigur und war stets einer unserer Kämpfer wenn es knapp wurde. Natürlich kann ich seine Entscheidung zu diesem aus seiner Sicht perfekten Zeitpunkt nachvollziehen, allerdings wird die Lücke des menschlichen Faktors nur schwer zu schließen sein“, so Harmsen.