Skip to main content
06. 03. 2016

Science City schlägt Chemnitz nach dramatischer Schlussphase

Der legendäre Schlagabtausch zwischen Science City Jena und den Chemnitz 99ers ist um ein würdiges Derby-Kapitel reicher. Die Ostthüringer schlugen den langjährigen Liga-Rivalen vor ausverkauftem Haus nach dramatischem Spielverlauf mit 81:78 (37:35), ziehen in den finalen Sekunden einer mitreißenden Partie noch einmal ihren Kopf aus der Schlinge des Verlierers. Während die Gäste 163 Sekunden vor der Schlusssirene bei einer 75:70-Führung von einem Überraschungssieg träumen konnten, stellten die Saalestädter in der verbleibenden Spielzeit einmal mehr ihre unglaubliche Schlussphasenkompetenz unter Beweis, bogen das Duell unter dem Jubel der knapp 2850 Jenaer Fans noch zu ihren Gunsten.

Zwei erwartungsvolle Fan-Lager, die mit 3000 Zuschauern eine stimmungsvolle Kulisse bildeten, zwei ehrgeizige Vereine, die auf einen langjährigen gemeinsamen Weg zurückblicken können - der Rahmen für den neuen, im Ost-Derby gegen Chemnitz aufgestellten Zuschauer-Rekord in der Sparkassen-Arena hätte kaum ein würdigeren Gegner erwischen können. Das was den Augenzeugen des Sonntagabend-Duells geboten wurde, erfüllte alle Wünsche und Erwartungen an die „Mutter aller Schlachten“.

In einer von Spannung, Dramatik und dem Spiel zweier auf Augenhöhe agierender Mannschaften geprägten Partie gelang es zu Beginn keinem der beiden Teams sich einen nennenswerten Vorsprung zu erspielen. Nachdem sich beide Kontrahenten im Startabschnitt auf der Suche nach ihrem Rhythmus befanden, die ersten zehn Minuten jedoch überwiegend ausgeglichen verliefen, lag Chemnitz mit der Viertelsirene hauchdünn mit 18:17 in Front. Zwar gelang es Science City in den folgenden zehn Minuten bis zur Halbzeitpause sich kurzzeitig bis auf sechs Punkte (16., 32:26) abzusetzen, die Sachsen kämpften sich bis zum Kabinengang allerdings wieder in Schlagdistanz. Während sich beide Rivalen mit einer knappen Jenaer 37:35-Führung in die Pause verabschiedeten erwischte Science City den besseren Start in die zweite Halbzeit. Nach einem Tip In von Immanuel McElroy auf 43:35 enteilt schien das Spiel den erhofften Verlauf zu nehmen. Doch die Chemnitzer waren noch lang nicht geschlagen, erholten sich im weiteren Verlauf des dritten Viertels und holten sich mit einem 9:0-Lauf – nach einem Distanzwurf durch Wiggins in der 24. Minute – beim 43:44 aus Jenaer Sicht die Führung zurück. Spätestens ab diesem Zeitpunkt war in der Arena jedem Besucher klar, dass sich dieses Duell erst auf den letzten Metern entscheidet. Zwar kippte das Derby in der Folge kurzzeitig zu Gunsten der Hausherren (26., 53:48, Lars Wendt) doch auch diesen Rückstand verkraftete Chemnitz mit großem Kampf. Beim 53:53 durch zwei Freiwürfe von Robert Cardenas ausgleichend, verteidigten die Niners ihren herausgeworfenen Vorsprung bis zur Viertelpause – 56:59. So musste der Schlussabschnitt für die Entscheidung sorgen.

Parallel punktend durch die ersten Minuten eines großen Finales gehend, sorgte zunächst Lars Wendt mit zwei Freiwürfen für den vielumjubelten 66:66-Ausgleich (34.) bevor sich ein Foto-Finish abzeichnen sollte. Nachdem Chemnitz erneut konterte, Science City beim 66:72 (35.) bedrohlich nah in Richtung der ersten Heimniederlage wankte, fingen sich die Thüringer rechtzeitig. Zwar gelang es den Gästen ihren Vorsprung bis zum 68:74 zu konservieren, der kurze Jubel von Gregory Logins nach einem Rebound und Ballbesitz Niners in der 36.Minute kam jedoch deutlich verfrüht. Marcos Knight und Wayne Bernard - mit einem lebenswichtigen Dreier zum 73:75-Anschluss – sorgten zunächst wieder für den Jenaer Anschluss, bevor Alfred Hitchcock seinen Platz in der Arena gefunden hatte. Nachdem Wiggins nur einen seiner beiden Freiwürfe verwandeln konnte, die Niners zwei Minuten vor Ultimo mit drei Punkten in Front lagen (75:78) übernahmen Jenas Leistungsträger die Regie. Zunächst legte Lars Wendt für McElroy auf, der mit seinem Korb zum 77:78 die Arena 55 Sekunden vor der Schlusssirene zum Beben brachte. Chemnitz reagierte mit einer taktischen Auszeit, die Jenas Leidenschaft nicht brechen konnte. Erneut war es Wendt, der mit seiner passgenauen Vorlage Knight erreichte. Der US-Amerikaner traf 25,7 Sekunden vor dem Ende zur Jenaer 79:78-Führung. Erneut Timeout, erneut durch Chemnitz genommen, um dem Duell die entscheidende Wendung zu geben. Erneut gescheitert, nachdem sich Lars Wendt den wichtigsten Steal der Partie sichern konnte, gefoult wurde und mit zwei sicher verwandelten Freiwürfen zum 81:78 den Sieg für Science City über die Ziellinie brachte. Der finale Verzweiflungswurf der Niners verfehlte sein Ziel, Schluss, Jubel, Derby-Uffta der Jenaer Fans gemeinsam mit den Helden des Abends.

„Ich habe mich vor dem Spiel mit Rodrigo unterhalten. Wir haben besprochen, den Zuschauern ein großen Kampf zu liefern, die Partie lange knapp zu halten, damit die Besucher auf ihre Kosten kommen“, sagte Jenas Trainer Björn Harmsen mit einem Augenzwinkern. „Jetzt aber mal im ernst. Es war eine tolle Atmosphäre mit einer sensationellen Stimmung, ein würdiges Derby in dem am Ende nur eine Mannschaft gewinnen kann. Die Chemnitzer Fans haben ebenso ihren Teil beigetragen, ohne Aggressionen, eben so wie es dieses Duell seit Jahren auszeichnet. Ich bin jetzt der glückliche Trainer, weil wir gewonnen haben. Dennoch großen Respekt für die Arbeit, die Rodrigo in Chemnitz abliefert. Es war klar, dass wir nicht noch einmal so hoch wie im Hinspiel gewinnen würden. Die Niners haben sich sehr gut entwickelt und es uns heute im Verlauf der 40 Minuten sehr schwer gemacht. Meinen Jungs hat am Anfang die notwendige Konzentration gefehlt. So sind wir zwar zunächst den Chemnitzern hinterhergehinkt, haben uns aber großartig zurückgekämpft und am Ende gewonnen“, sagte Harmsen.

SCJ: Knight 20 Punkte, Wendt 20, McElroy 16, Bernard 8, Wolf 7, Voigtmann 4, Reyes-Napoles 2, Clay 2, Grünheid 2, Tzakopoulos - Rietschel, Cardenas