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07. 12. 2018

Advent, Advent, die Bayern kommen - Jena empfängt Meister und Tabellenführer München

Kein anderes Saisonspiel der Jenaer Erstliga-Basketballer dürfte sich eher das Siegel des Duells „David gegen Goliath“ verdient haben. Wenn „BBL-Leichtgewicht“ Science City Jena den deutschen Euroleague-Starter, den amtierenden Deutschen Meister sowie den aktuell ungeschlagenen Tabellenführer der easyCredit BBL empfängt, sind die Rollen vorab klar verteilt. Die Nummer 1 im Thüringer Freistaat-Basketball empfängt das Team von der Isar am 2. Adventssonntag ab 18.00 Uhr in der Sparkassen-Arena Jena, hat für kurzentschlossene Fans noch ein Restkartenkontingent an Stehplätzen vorrätig.

Neun Siege und noch ohne Niederlage in der deutschen Bel Etage unterwegs, im kontinentalen Wettbewerb der Euroleague mit einer durchaus soliden 4:6-Bilanz die Chance auf den Einzug in die nächste Runde wahrend - die erste Saisonhälfte der Bayern darf ohne Übertreibung als geglückt betrachtet werden. Während sich der Kader des montenegrinischen Trainers Dejan Radonjic im bisherigen Verlauf des Spieljahres enorm spielfreudig präsentierte, auf Qualität wie Tiefe gleichermaßen vertrauen darf, sticht mit dem zuletzt aus der NBA an die Säbener Straße gewechselten Derrick Williams (Lakers, Cavs, Heat Knicks, Kings) eine Personalie ganz besonders stark hervor. Im Draft 2011 von den Minnesota Timberwolves an Nummer 2 gepickt, führt der 428-fache Ex-NBA-Akteur sowohl die nationale (13,4 PpG) als auch die europäische (12.3 PpG) Scoringliste der Münchner an.

Das Team der Isarstädter jedoch nur auf den athletischen US-Amerikaner zu reduzieren wäre aus Sicht des Jenaer Underdogs jedoch höchst fahrlässig. Zu viele Ausnahmespieler befinden sich im Kader der Gäste, die nach ihrer im Juni 2018 gegen ALBA Berlin gewonnenen Meisterschaft kontinuierlich daran basteln, den Basketball als zweites Standbein auch auf europäischem Format zu etablieren. Wie breit sich die Mannschaft mittlerweile aufstellt, zeigt sich beim Blick auf die enorm ausgeglichene Verteilung der Einsatzminuten. Kein einziger Akteur steht an den BBL-Wochenenden der Münchner länger als 25 Minuten auf dem Parkett und auch die Last des Punktens verteilt sich auf mehr als zehn Schultern. Mit dem athletischen Ring-Tester Devin Booker, Swingman Nihad Djedovic, Nationalspieler Danilo Barthel, Point Guard Stefan Jovic oder All-around-Player Vladimir Lucic wartet ein variables Arsenal gefährlicher Speerspitzen auf die Jenaer Verteidigung, die am Abend des 2. Advent allen Hände voll zu tun bekommen wird. Allein der Luxus, Aufbauspieler Braydon Hobbs als Back Up von der Bank bringen zu können, sollte recht anschaulich verdeutlichen, mit wie viel Qualität das Team von der Isar in Richtung Ostthüringen aufbrechen wird. Im bisherigen Saisonverlauf ließen die Bayern der sportlichen BBL-Konkurrenz nicht allzu viel Luft. Lediglich ratiopharm Ulm kam zum Saisonauftakt im Rahmen einer 77:83-Heimniederlage dem Begriff ‚knapper Spielausgang‘ noch am nächsten.

Während sich Jenas Riesen mit zwei Niederlagen in die zurückliegende Länderspielpause verabschiedet hatten, nach dem letzten Duell in Bamberg ein paar freie Tage zum Durchatmen genießen konnten, geht es in der Schlussetappe des Basketball-Jahres 2018 am Advents-Sonntag gleich wieder in die Vollen. Glücklicherweise darf mit der Rückkehr von Kapitän Derrick Allen gerechnet werden. Der Routinier hatte nach seinem doppelten Bänderanriss zuletzt in Bamberg und in der zweiwöchigen Auszeit pausiert, wird dank der großartigen Arbeit der medizinischen Abteilung von Science City auflaufen können. Ganz ungeachtet der personellen Situation im Lazarett von Science City vertrauen Jenas Erstliga-Riesen vor allem gegen den BBL-Spitzenreiter auf die lautstarke und stimmgewaltige Unterstützung des Publikums. Speziell in den schwierigen Phasen, von denen es gegen das bayerische Star-Ensemble wohl mehr als gewünscht geben dürfte, ist der sechste Mann von den Tribünen wichtiger denn je.

„Auf David Alaba werden wir aufpassen müssen“, eröffnete Jenas Cheftrainer Björn Harmsen die Pressekonferenz vor dem Duell gegen die Basketball-Bayern mit einem Lacher, um sich danach dem Ernst der bevorstehende Aufgabe zu widmen. „München stellt in dieser Saison eine Übermannschaft. Das muss man im Vorfeld so klar feststellen. Wir haben sie letztes Jahr zum selben Zeitpunkt im Heimspiel knapp an einer Niederlage gehabt, bevor sie sich zur Deutschen Meisterschaft gekämpft haben. Daraus resultierend wurde mit deutlich mehr Etat ein qualitativ enorm starker wie tiefer Kader zusammengestellt, der sich aus europäische Topspielern bis hin zu NBA-Akteuren bildet. Die Qualität, die sich im Münchner Kader bis hin zum Trainerstab versammelt ist Wahnsinn. Sie haben noch kein einziges Spiel in der Liga verloren. Da man nicht beeinflussen kann, wie die Bayern spielen, können wir nur versuchen bestmöglich dagegenzuhalten und das Spiel mit Hilfe des Publikums möglichst lang offen zu halten. Unsere Jungs müssen kämpfen, als Team zusammenzuspielen und dann werden wir sehen, was hinten rauskommt“, so Harmsen.