Skip to main content
03. 11. 2018

Bittere Heimniederlage nach Overtime – Science City unterliegt Eisbären mit 87:98 n.V.

Mit einer dramatischen 87:98-Niederlage endete der 6. Spieltag der easyCredit BBL für die Erstliga-Basketballer von Science City Jena. Die Saalestädter unterlagen den Eisbären Bremerhaven vor 2513 Zuschauern in der Sparkassen-Arena unglücklich nach Overtime, verpassten eine Vorentscheidung in der regulären Spielzeit beim Stand von 82:82 nur um einen Wimpernschlag. Nachdem die Szene eines spät – letztendlich zu spät - getroffenen Mitteldistanzwurfes von Julius Jenkins zum vermeintlichen 84:82-Sieg nach Videobeweis berechtigterweise zurückgenommen wurde, setzten sich die Eisbären Bremerhaven mit viel frischer Energie und der zweiten Luft in der fünfminütigen Verlängerung durch. Ike Iroegbus 26 Punkte für die Ostthüringer reichten zwar zum Bestwert aller Akteure im Jenaer Trikot, wurden in der individuellen Statistik jedoch von Bremerhavens Scharfschütze Jordan Brangers (29 Punkte) übertroffen.

Während die Norddeutschen ihre individuellen Qualitäten bereits im Auftaktviertel unter Beweis stellen konnten, primär aus der Distanz erfolgreich abschlossen, fand Science City nur schwer in die Partie. In erster Linie durch den selten zu kontrollierenden Jordan Brangers angeführt, enteilten die Gäste nach einem Distanzwurf von Adrian Breitlauch in der 7. Minute auf 21:11, bevor Björn Harmsen die erste taktische Notbremse ziehen musste. Bis zum Viertelende besser ins Spiel kommend, verkürzten die Saalestädter durch einen Dreier von Immanuel McElroy unmittelbar vor der ersten Sirene wieder auf 20:25. Dennoch hatte sich Science City mit sieben Ballverlusten das Leben in erster Linie selbst schwergemacht.

Nachdem sich die Ostthüringer zu Beginn des zweiten Spielabschnitts rehabilitieren wollten, die erste Minute des Viertels im Zeichen von Center Oliver Mackeldanz stand, vergab Jenas längster Spieler zunächst vier Freiwürfe in Folge. Doch Jenas Zuschauer bewiesen in dieser Phase ein feines Gespür für die Situation, ermunterten Mackeldanz mit lautstarken Sprechchören, bevor sie seine beiden verwandelten Schüsse zum 22:25 wie einen Gamewinner feierten. Nachdem Martynas Mazeika mit einem Dreier in der 13. Minute auf 27:27 ausgleichen konnten, sorgte Julius Jenkins mit seinem Paradewurf zum 30:27 für die erste Jenaer Führung (14.). Mit der Einwechslung von Ike Iroegbu erhielten Jenas Erstliga-Riesen einen enorm wichtigen Impuls, der sich bis zur Halbzeit auszahlen sollte. Immer wieder mutig zum Korb ziehen und meist mit Kontakt zum Gegenspieler - allerdings ohne geahndete Fouls – stabilisierte Jenas Nummer 1 mit seiner Penetration die offensiven Bemühungen des Harmsen-Teams. So gingen die letzten drei Aktionen der Thüringer auf das Konto des nigerianischen Nationalspielers, der das Publikum am Ende mit seinem Buzzerbeater-Dreier zur Jenaer 52:45-Halbzeitführung von den Sitzen riss. 
 
Mit der Euphorie dieses Vorsprungs in den dritten Spielabschnitt startend, konservierte das Harmsen-Team die Führung zwar bis weit in das dritte Viertel, Jenas Vorsprung schmolz bedingt durch eine Leistungssteigerung der Gäste jedoch merklich zusammen. Spätestens nachdem Niklas Wimberg jenseits des Perimeters auf 63:62 (28.) verkürzt hatte, hatten beide Kontrahenten ihre Visiere abgelegt, um mit einem Jenaer 65:64-Vorsprung in die vermeintlich letzten zehn Minuten zu gehen. Nun stark an Fahrt aufnehmend, entwickelte sich eine Schlussphase, die hinsichtlich der sich kontinuierlich steigernden Dramatik kaum noch Wünsche offen ließ. Einmal mehr sorgte Jenas Nummer 11, Julius Jenkins, für kollektive Uhs, Ohs und Ahs unter den Jenas Anhängern. Mit drei heißen Nadelstichen außerhalb der 6,75m-Linie hatte Jenas BBL-Legende seinem Team den Weg zum dritten Saisonsieg geebnet - fast. So verblieben noch 113 Sekunden, nachdem der Ex-Liga-MVP die Ostthüringer mit 82:80 in Front gebracht hatte. Bremerhaven, konstant um Kurskorrektur bemüht, konterte durch einen Korbleger von Keith Benson – Ausgleich zum 82:82 bei noch 52 Sekunden Restspielzeit.

Während die letzten Sekunden herunterliefen, Jenas Immanuel McElroy und Bremerhavens Elston Turner mit ihre Würfen scheiterten, krallte sich Jenas Center Oliver Mackeldanz acht Sekunden vor Ultimo einen Defensiv-Rebound und schickte Julius Jenkins auf Fastbreak-Reise. Der US-Amerikaner setzte kurz vor der Freiwurflinie der Eisbären zum Floater an und ließ den Spalding eine Hundertstelsekunde zu spät los. Mit der Möglichkeit des Videobeweis ausgestattet, überprüften die Unparteiischen die spielentscheidende Szene, entschieden korrekterweise auf keinen Korb, bevor sich die Norddeutschen in den zusätzlichen fünf Minuten einen letztendlich verdienten Auswärtssieg erkämpften.

Arne Woltmann (Eisbären Bremerhaven): „Jena ist jedes Jahr eine schwere Aufgabe. Ich muss mich erst einmal an den Gedanken gewöhnen, dass wir heute hier gewonnen haben. In der letzten Saison war es hier sehr bitter für uns. In der ersten Halbzeit haben wir Ike Iroegbu machen lassen was er am besten kann. Das hat uns enorm wehgetan, während wir in der zweiten Hälfte plus Overtime nur 35 Punkte zuließen. Das war natürlich ein wichtiger Turnaround auf dem Weg zum Auswärtssieg. Dazu haben wir uns nur neun Ballverluste geleistet, davon vier im Auftaktviertel. Uns ist es mit zunehmender Spielzeit gelungen, die individuellen Stärken des Gegners zu neutralisieren. Science City ist gespickt mit zukünftigen Hall of Famern und da ist es enorm schwer zu bestehen, weil sie wissen wie das Spiel funktioniert. Insofern bin ich enorm stolz, wie meine Mannschaft die Köpfe oben behalten hat und die Begegnung am Ende umgebogen hat.“

Björn Harmsen (Science City Jena): „Glückwunsch zum Sieg an Arne und Bremerhaven. Die Eisbären haben mehr als verdient gewonnen. Das erste Viertel ist Bremerhaven sensationell gestartet, das dritte, vierte Viertel sowie die Verlängerung haben sie ebenfalls gewonnen. Arnes Team ist eine gute Mannschaft. Sie haben trotz ein, zwei Ausfällen gut reagiert, haben physischer gespielt als wir und schwere Würfe getroffen, wenn es nötig war. Das haben wir nicht hinbekommen. Zudem hat Bremerhaven 50 von 98 Punkten in der Zone gemacht. Wir haben schlecht angefangen, uns zu viele Ballverluste geleistet. Das darf uns mit der vorhandenen Erfahrung nicht passieren. Am Ende der regulären Spielzeit war es schade, weil wir mit ein wenig mehr Glück dieses Duell – wenn auch nicht ganz verdient – hätten gewinnen können. Ich glaube, es war trotzdem ein schönes Spiel für die Zuschauer. Auch wenn die Niederlage sehr schmerzhaft ist, glaube ich dass die Zuschauer sehr gut unterhalten wurden und beim nächsten Mal noch zahlreicher wiederkommen.“

SCJ: Iroegbu 26 Punkte, Jenkins 19, Mazeika 14, Wolf 8, McElroy 7, Mackeldanz 4, Heber 3, Theis 2, Allen 2, Joyce 2, Reyes-Napoles

BHV Top3: Brangers 29, Benson 16, Warren 14, Turner 14

Spielfilm: 1. Viertel 20:25 - 2. Viertel 52:45 - 3. Viertel 65:64 - 4. Viertel 82:82 - OT 87:98