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09. 02. 2019

Endlich – Science City stoppt Talfahrt mit 85:83-Hitchcock gegen Braunschweig

Spiel gedreht, Talfahrt gestoppt und wertvolle Punkte im Kampf um den Klassenerhalt eingefahren. Mit einem am Ende hauchdünnen 85:83-Heimsieg gegen die Basketball Löwen Braunschweig beendete Science City Jena am späten Samstagabend die Niederlagenserie der letzten Wochen. Das Harmsen-Team schlugen die Gäste aus Niedersachsen vor 2342 Zuschauern in der Sparkassen-Arena nach einer emotionalen Berg-und-Talbahn-Fahrt, drehte das bis zur Schlusssirene eng umkämpfte Duell 28 Sekunden vor Ultimo durch einen Dreier von Topscorer Reggie Williams (24 Punkte) in die erhoffte Richtung. Ungeachtet des offensiven Outputs der Jenaer Nummer 55 lieferten die Saalestädter eine kollektiv starke Leistung ab. Am Ende erzielten insgesamt fünf  Akteure von Science City zweistellige Werte, darunter auch Jenas Kapitän Derrick Allen, der mit seinen 13 Punkten gegen Braunschweig nun nach Oldenburgs Rickey Paulding und Jenas Julius Jenkins in den Club der 6000er einziehen konnte.

Während Neuverpflichtung Mauricio Marin seinen Einstand im Jenaer Trikot gab, feierten die Gastgeber zum Schluss gemeinsam mit den Fans mit einem zünftigen Uffta den lang herbeigesehnten Heimerfolg. Die von insgesamt 16 Führungswechseln gekennzeichnete Partie bot dabei über den gesamten Spielverlauf die volle Bandbreite an Emotionen, blieb bis in die letzten Sekunden eng und wurde tatsächlich erst einen Wimpernschlag vor dem Ende entschieden. Für mehr als ausreichend Spannung sorgte dabei in erster Linie das finale Viertel sowie beide sich auf Augenhöhe duellierenden Kontrahenten.

Nachdem sich im Startviertel ein ausgeglichenes Spiel entwickelt hatte, die Niedersachsen mit einem 24:21-Vorsprung in die erste Viertelpause gingen, profitierte Science City bis zur Halbzeit von starken Quoten aus dem Feld (61 Prozent), welche den Makel an der Freiwurflinie (6/15, 40 Prozent) kompensierten. Für das spielerische Schmankerl hatte Ronald Roberts in der 11. Minute gesorgt, der nach einem Assist von Reggie Wiliams den Spalding per Alley Oop zum 24:26-Anschluss durch den Braunschweiger Ring prügelte, dabei gleich zwei Löwen auf Korb-Niveau zur Wirkungslosigkeit verurteilte.  Während sich Science City mit einem hart erarbeiteten 45:43-Vorsprung in die Halbzeitkabine verabschiedet hatte, war der Grundstein für eine dramatische zweite Hälfte früh gelegt.

So startete auch der dritte Abschnitt zunächst ausgeglichen und während sich beide Teams sowohl offensiv als auch in der Verteidigung neutralisierten, näherte sich das bis zum 58:57 weiterhin auf Messer Schneide verlaufende Duell dem Höhepunkt. Kurz vor der letzten Viertelunterbrechung gab es aus Jenaer Optik den ersten Grund zum Feiern, als Kapitän Derrick Allen 2.8 Sekunden vor der finalen Pause mit einem Freiwurf seinen 6000 Karriere-Punkt in der BBL erzielte und die stimmungsvolle Arena emotional abholte. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich die Thüringer zwar eine komfortable 70:62-Führung herausgespielt, von einer Vorentscheidung war dieses Spiel jedoch genauso weit entfernt wie Schokolade von Brokkoli.

Entsprechend motiviert starteten die Okerstädter in das Schlussviertel, holten Punkt um Punkt auf, um 58.7 Sekunden vor dem Ende durch einen Dreier von Neu-Nationalspieler Christian Sengfelder erstmalig seit der 18. Minuten wieder in Front zu gehen – 80:81. Längst hatte Thriller-Regisseur  Alfred Hitchcock unterm Arena-Dach Platz genommen und dürfte sich beim Blick auf das Parkett genüsslich die Hände gerieben haben. Von einer taktischen Jenaer Auszeit unterbrochen, wanderte der Ball 48.4 Sekunden vor dem Ende zu Reggie Williams, der die Partie erneut in Richtung der Saalestädter drehte – 82:81. Doch Braunschweig kämpfte wie die Löwen um erneute Kurskorrektur und so war es im direkten Gegenzug DeAndre Lansdowne, der das Duell wieder auf 82:83 kippte. Wer wenn nicht Ex-NBA-Veteran Reggie Williams sollte in dieser Phase zum finalen Wurf ansetzen. Gesagt, getan. Jenas Nummer 55 drückte 27.9 Sekunden vor dem Buzzer jenseits des Perimeters ab, traf traumwandlerisch sicher und erhöhte Jenas Vorsprung auf 85:83. Während sich die Niedersachsen in ihrer letzten offensiven Sequenz kollektiv gegen die drohende Niederlage stemmten, verteidigte Science City Jena den kostbaren Vorsprung mit Glück und Geschick, um den Sieg über die Ziellinie zu schieben.

Frank Menz (Trainer Basketball Löwen Braunschweig): „Ich denke das ist für uns eine weitere, ziemlich toughe Auswärtsniederlage. Wir hatten es mit dem letzten Angriff selbst in der Hand. Ich mache jetzt etwas, was ich die ganze Saison nicht getan habe. Die Schiedsrichter-Combo war dem Niveau des Spiels – und damit meine ich beide Mannschaften - nicht gewachsen. Das war eine unglaubliche enttäuschende Leistung. Das soll keine Entschuldigung für die Niederlage sein. Des weiteren hat sich Scott Eatherton sehr schwer verletzt, wird sicher länger ausfallen. Das ist für unser Team ein herber Verlust, da er die Mannschaft mit Lansdowne trägt. Umso erstaunlicher, dass wir am Ende des Spiels noch einmal zurückgekommen, nachdem wir die zweite Hälfte ohne Scott spielen mussten. Am Ende ist unser Plan fast aufgegangen. Allerdings hat Williams das Spiel mit ganz schwierigen Würfen entschieden. Das war am Ende auschlaggebend.“

Björn Harmsen (Science City Jena): „Als erstes bin ich natürlich sehr glücklich, dass wir mal wieder ein Spiel gewonnen haben. Es freut mich auch, dass es knapp war. Das Duell hätte in beide Richtungen ausgehen können. Wir haben aber am Ende einen wichtigen Stopp in der Verteidigung geholt, der enorm wichtig war. Zudem hat Reggie in der Schlussphase zwei wichtige Würfe getroffen, bei denen man seine Klasse und Erfahrung gesehen hat. Dennoch war es eine gute Mannschaftsleistung, wenn man sieht, dass fünf unserer Spieler zweistellig punkten wir eine gute Ballbewegung hatten. Wir könne uns jetzt aber nicht auf diesem Sieg ausruhen, sondern müssen schauen, dass die Mannschaft noch besseren Rhythmus findet.“

SCJ: Williams 24, Allen 13, Joyce 12, Roberts 11, Jenkins 10, McElroy 7, Mackeldanz 4, Wolf 4, Theis, Reyes-Napoles, Marin - Heber

BSW Top3: Lansdowne 23, Sengfelder 17, Hines 10

Spielfilm: 1. Viertel 21:24 - 2. Viertel 45:43 - 3. Viertel 70:62 - 4.Viertel 85:83