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03. 10. 2017

Großartige Jenaer Leistung gegen Meister-Schreck Würzburg bleibt unbelohnt

Mit einer 79:81-Niederlage nach Verlängerung beendete Science City Jena den Heimspiel-Doppelpack-Auftritt der gerade erst gestarteten easyCredit BBL-Saison 2017/2018. Die Ostthüringer unterlagen dem Meister-Schreck aus Würzburg nach einer mitreißenden Partie vor 2292 Zuschauern trotz aufopferungsvoller Leistung nach fünfminütiger Overtime hauchdünn. Während das Harmsen-Team am 2. Spieltag auf den mit Grippe aussetzenden Center Oliver Mackeldanz verzichten musste, sorgte Würzburgs Nationalmannschaftskapitän Robin Benzing fünf Sekunden vor der Schlusssirene der Overtime mit einem erfolgreichen Mitteldistanzwurf für die späte Entscheidung.

Während beide Kontrahenten von Beginn an mit offenen Visieren in die Begegnung gestartet waren, die Gäste aus Mittelfranken anfänglich die besseren Wurfquoten vorweisen konnten, präsentierten sich die Saalestädter vom Freitagabendspiel gegen Frankfurt gut erholt. Nach einem Distanzwurf des Würzburger Leistungsträgers Cliff Hammonds kurzzeitig auf 9:18 enteilt, bat Jenas Coach Björn Harmsen anschließend zur Auszeit - mit Erfolg. Die verbleibenden Minuten bis zur Viertelpause standen primär im Zeichen der Thüringer. Dem Meisterbezwinger aus Unterfranken bis zur Pausensirene nur noch vier Punkte gestattend, befand sich Science City nach einem Dreier des stark agierenden Max Ugrai zum 19:22-Anschluss wieder in Schlagdistanz. Auch im zweiten Abschnitt zunächst noch auf Augenhöhe duellierend, blieb das Duell eng und umkämpft. Nachdem sich beide Teams zumeist parallel punktend bis zur 17. Minute geworfen hatten, ein 29:35-Zwischenstand die Gäste im Vorteil sah, erhöhte das Team von Ex-Bundestrainer Dirk Bauermann seine Frequenz. Angeführt vom Litauer Osvaldas Olisevicius, der innerhalb von zwei Zeigerumdrehungen zwei erfolgreiche Dreier einstreute, konnten sich die Mainstädter kurz vor der Halbzeitpause auf 31:45 absetzen.

Mit der Rückkehr aus den Kabinen versuchte Science City früh zu kontern, fand in Brandon Spearman einen willigen Akteur, der zunächst die offensive Hauptlast übernahm. Nachdem die Würzburger Führung in dieser Phase an der Borderline zur Zweistelligkeit pendelte, blieben die Jenaer Riesen giftig und aggressiv genug, um den Anschluss an die „Bauermänner“ nicht abreißen zu lassen. Rückblickend war es das Viertel von Max Ugrai, der zehn seiner am Ende starken 13 Zähler in diesem Abschnitt erzielte und die Saalestädter offensiv führte.

Mit einem Score von 45:57 in die vermeintlich finale Phase startend, schmolz der komfortable Würzburger Vorsprung nun wie Eis in einem Cocktail. Ein Dreier von Julius Jenkins, ein Korb von Oliver Clay, zwei aufeinanderfolgende Distanzwürfe durch Immanuel McElroy garniert mit einem weiteren Dreier von Skyler Bowlin brachten die Jenaer Sparkassen-Arena nach dem 61:61-Ausgleich an den Rand emotionaler Stabilität. Was nun folgte war die volle Bandbreite in einer Achterbahnfahrt der Gefühle. Zwischen himmelhochjauchzend nach Derrick Allens Korbleger zur ersten Führung der Saison – 63:61 (36.) - bis hin zu Robin Benzings Wurf, der 4,6 Sekunden vor der Schlusssirene zum 71:71 ausglich, wechselten sich Nägelkauen mit Haareraufen oder Jubelattacken ab. Ob das Duell vielleicht einen anderen Verlauf genommen hätte, sofern ein durchaus strittiger Kontakt von Brandon Spearman an Robin Benzing 44 Sekunden vor dem regulären Ende nicht geahndet worden wäre, bleibt schlussendlich offen.

Am Ende hatten es die Saalestädter mehrfach selbst in den Händen, den Kontrahenten aus der Heimat von Dirk Nowitzki mit hängenden Köpfen auf die Heimreise zu schicken, verpassten trotz einiger aussichtsreicher Gelegenheiten jedoch, den Ball durch die Würzburger Reuse zu legen. So entwickelte sich auch die fünfminütige Verlängerung zu einer echten Nervenschlacht, in der Skyler Bowlin die Rolle des Helden nur knapp verpasste. Mit einem Dreier zum 77:77-Ausgleich sowie zwei Freiwürfen 17,4 Sekunden vor dem Ende der Overtime hatte der US-Amerikaner unbeeindruckt aller äußeren Einflüsse nervenstark egalisiert, um in der Schlusssequenz Benzings Mitteldistanzwurf zum 79:81-Endstand erleben zu müssen.

Science City hatte die Gäste aus Würzburg in einem Spiel, welches aufgrund seiner 45minütigen Dramaturgie durchaus als Werbung für den Basketball bezeichnet werden darf, am Rande einer Niederlage, verpasste es am Ende lediglich, den Sack mit den beiden ersten Pluszählern der Saison zu binden. Dennoch sollte der kämpferisch-emotionale, intensive und willensstarke Auftritt der Jenaer BBL-Riesen Mut für die kommenden Wochen machen – auch wenn die Aufgaben nicht leichter werden dürften. Bereits am kommenden Sonntag gastiert die Mannschaft von Björn Harmsen beim Vizemeister in Oldenburg.

Dirk Bauermann (s. Oliver Würzburg): "Ich bin sehr glücklich dieses Spiel gewonnen zu haben. Wir wussten, dass es in Jena schwer wird und Science City nach dem ersten Spiel diese Reaktion geben wird. Björn hat es großartig gemacht. Die Fans haben dem Duell einen würdigen Rahmen gegeben. Jena hat unglaublich gut verteidigt. Wir waren am Ende das glücklichere Team. Björns Team hat in der Overtime den besseren Basketball gespielt. Wir haben uns in dieser Phase sehr schwer getan. Jena hat uns enormen Druck gegeben. Robin Benzing hat in dieser Phase wichtige Plays gemacht. Ganz wichtig war heute Lipkevicius, der viele kleine Dinge gut gemacht, die in der Statistik nicht auftauchen. Die Mannschaft war super. Dennoch, auch wenn es sich seltsam anhören mag, Glückwunsch an Jena für diese großartige Leistung".

Björn Harmsen (Science City Jena): "Danke an Dirk für die netten Worte und Glückwunsch zum Sieg. Am Ende hat Würzburg mit Robin Benzings Wurf das Spiel entschieden. Wir hatten überlegt zu Foulen, aber die Jungs wollten diese Szene verteidigen. Nun haben wir eine Situation wie in der letzten Saison. Knapp und zudem nach Verlängerung zu verlieren ist natürlich bitter. Dennoch war es eine starke Leistung meiner Mannschaft. Wir sind sehr gut zurück gekommen aus der Niederlage gegen Frankfurt, befinden uns aber noch nicht da, wo wir sein können. Trotz unseres Starts, in dessen Verlauf wir schwer ins Spiel gefunden haben, bin ich unabhängig von Taktik von Technik mit dem Herz und Charakter der Mannschaft sehr zufrieden".

SCJ: Bowlin 14, McElroy 14, Ugrai 13, Spearman 12, Jenkins 11, Allen 7, Clay 4, Reyes-Napoles 2, Pilcevic 2 Heber, Schneider (DNP)