Skip to main content
12. 05. 2019

„Passendes Ende“ besiegelt Jenaer 92:93-Niederlage gegen die BG Göttingen

Am Ende passte der Spielausgang leider nur zu perfekt zur gesamten BBL-Saison von Science City Jena. Die Ostthüringer verpassten am Sonntagabend einen Sieg gegen die BG Göttingen nur um Haaresbreite, unterlagen den Niedersachsen vor 2028 Zuschauern mit 92:93. Nachdem der vermeintliche Gamewinner von Reggie Williams wenige Hundertstel zu spät aus seinen Händen wanderte und im Anschluss durch die Reuse der Veilchen fiel, korrigierte das Schiedsrichter-Trio den Jenaer Sieg nach Videobeweis folgerichtig. So waren es einmal mehr die Gäste, die beide Punkte aus der Jenaer Sparkassen-Arena entführten und mit dem guten Gefühl eines Auswärtssieges die Heimreise antreten konnte. Die Saalestädter hatten unterdessen stark gekämpft, viel Moral und Willen beweisen, um einen zwischenzeitlichen 17-Punkterückstand (60:77) doch noch zu kippen.

Nachdem die Südniedersachsen besser in die Partie fanden, sich nach einem Dreier von Michael Stockton auf 0:8 (3.) absetzen konnten, hatte Science City trotz des couragierten Auftritts der erstmalig in der Startformation stehenden Nachwuchsakteure Jan Heber und Melvin Jostmann anfängliche Anpassungsprobleme. Zwar konnten die Saalestädter mit zunehmender Spielzeit die statistische Lücke minimieren (7. Minute, Jostmann, 14:20) dennoch hinkte Science City zur ersten Viertelpause einem 19:29-Rückstand hinterher. Während sich auch im zweiten Abschnitt am Bild der Partie nicht viel änderte, die BG zwischenzeitlich auf einen zweistelligen Vorsprung erhöhte (17. Minute, Carter 30:43), verabschiedeten sich beide Mannschaften mit einem Halbzeitstand von 42:51 zu Gunsten des Roijakker-Teams in die Kabinen.

Mit Beginn der zweiten Hälfte entwickelte sich ein durch individuelle Matchups geprägtes Scheibenschießen, in dessen Verlauf zunächst Reggie und Pendarvis Williams im Mittelpunkt standen, später durch Julius Wolf und Stephan Haukohl abgelöst wurden, die sich primär aus der Distanz einen abwechselnden Schlagabtausch lieferten. Zwischenzeitlich immer wieder durch erfolgreiche Distanzwürfe von Mathis Mönninghoff sowie Mihajlo Andric offensiv getragen, hatte sich Göttingen bis zur 28. Minute auf 60:77 abgesetzt, bevor beide Kontrahenten mit einer 63:78-Führung der Veilchen in das letzte Viertel der Saison starteten.

Nachdem die Rotation von Science City in ihren vorerst letzten zehn BBL-Minuten noch einmal alle Reserven mobilisierte, Punkt um Punkt verkürzen konnte, war es Reggie Williams in der 35. Minute, der mit seinen beiden aufeinanderfolgenden Dreiern zum 80:83 den Anschluss herstellen konnte. Von ihrer zunehmend intensivierenden Verteidigung profitierend, war es den Thüringern gelungen, in die Partie zurückzukehren und die Niedersachsen in eine umkämpfte Schlussphase zu zwingen. Zwar konterte BG-Flügel Mihajlo Andric einen von Kapitän Derrick Allen erfolgreich abgeschlossenen Layup zum 82:83 im direkten Gegenzug aus der Distanz auf 82:86, doch Science City erwies sich, angetrieben vom Publikum, als hartnäckiger Gegner. Mit dem Rückenwind der leidenschaftlich abgelieferten Aufholjagd im Rücken, sorgten Immanuel McElroy sowie Reggie Williams mit ihren Dreiern zum 90:91 mit nur noch 89 Sekunden Restspielzeit für ein dramatisches Finish. Nachdem Darius Carter für die BG erneut auf 90:93 erhöhte, Martynas Mazeika 67 Sekunden vor Ultimo auf der Gegenseite per Korbleger zum 92:93 traf und Science City in Schlagdistanz gebracht hatte, versuchte Michael Stockton erneut zu kontern. Der Wurf des zweifachen BBL-Allstars geriet jedoch zu kurz und so landete der Rebound in den Händen von Derrick Allen. In der vermeintlich vorletzten Sequenz der Partie unterlief Reggie Williams ein Ballverlust, den Mihajlo Andric 21 Sekunden vor dem Ende nicht verwerten konnte. Während das Duell in dieser Phase der Partie längst niemanden mehr auf den Sitzen hielt, ein mit aller Wucht angesetzter Layup von Immanuel McElroy 5.7 Sekunden sein Ziel verfehlte, sicherte sich Göttingens Joanic Grüttner Bacoul den Rebound, schickte den Ball allerdings postwendend in Richtung LED-Würfel.

So bekam das Team von Marius Linartas nach einem finalen Timeout mit der auf eine Sekunde korrigierten Restspielzeit noch einmal zur Möglichkeit das Spiel zu drehen. Der Einwurf von Immanuel McElroy auf Reggie Williams auf Höhe der Mittellinie fand seinen Adressaten, doch statt gleich abzudrücken, verhinderte ein Dribbling des NBA-Veteranen in Richtung Göttinger Korb den im zeitlichen Rahmen liegenden Abschluss. Der Spalding rutschte zwar zum vermeintlichen 94:93-Sieg durch die Reuse der Veilchen, hatte jedoch einen Wimpernschlag zu spät die Hand des US-Amerikaners verlassen. So endete ein Duell mit dem „passenden Ende“, welches die gesamte Saison von Science City Jena in einer einzigen Szene zusammenfasste.

Johan Roijakkers (Trainer BG Göttingen): „Ich denke, dass wir das Spiel über drei Viertel dominiert haben. Im vierten Spielabschnitt sind wir einfach eingeschlafen, haben Jena die Chance gegeben, dieses Spiel zu gewinnen. Am Ende geht unser Sieg in Ordnung, da wir über 30 Minuten die bessere Mannschaft waren.“

Marius Linartas (Trainer Science City): „Zunächst einmal mehr großen Dank an unsere Zuschauer und Fans für die Unterstützung in diesen schweren Wochen der Saison. Danke an unsere Spieler, die bis zur letzten Sekunden großartig gekämpft und auf dem Parkett alles gegeben haben. Wir haben versucht mit einer größeren Rotation gespielt, um das Spiel zu gewinnen. Dass es am Ende einmal mehr knapp nicht gereicht hat, passt zu unseren gesamten Saison, in der wir zahlreiche Begegnungen hauchdünn verloren haben. Göttingen hat enorm stark aus der Distanz getroffen. Ich kann über meine Mannschaft heute nichts schlechtes sagen. Am Ende waren es wenige enge Situationen, das letzte Boxout, der letzte Wurf unter dem Korb, die dieses Spiel entschieden haben.“

Science City Jena: Williams 20 Punkte, Allen 17, Wolf 14, McElroy 11, Mazeika 10, Joyce 10, Marin 5, Radojicic 3, Jostmann 2, Reyes-Napoles, Heber

Top3 Göttingen: Carter 18, Stockton 16 (10 Assists), Andric, Mönninghoff je 15

Spielfilm: 1. Viertel 19:29 – 2. Viertel 42:51 – 3. Viertel 63:78 – 4. Viertel 92:93