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16. 11. 2018

Thüringen gegen Schwaben - Science City Jena empfängt gefährlich-angeschlagene Ulmer

Als Jenas „Wikinger“ Martynas Mazeika am Freitagabend des 13. Oktober 2017 Jenas ersten Bundesliga-Sieg gegen ratiopharm Ulm mit seinem Korbleger zum 92:84 in trockene Tücher gebracht hatte war der Jubel in der Sparkassen-Arena grenzenlos. Science City hatte die Donaustädter im fünften Anlauf auf BBL-Niveau tatsächlich das erste Mal bezwingen können. Auf dem Weg zum letztendlich vorzeitig gesicherten Jenaer Klassenerhalt der Vorsaison gehört dieser Erfolg ganz sicher in die Rubrik: 'Initialzündung'. Ein paar Tage zuvor hatte Mazeika im Rahmen der Spieltages-Pressekonferenz Jenas Heimsieg gegen die Baden-Württemberger prognostiziert, obwohl er selbst erst vor nicht ganz einer Woche zum Team gestoßen war. Spezielle Prognosen vor dem diesjährigen Duell gegen den Club aus der Stadt mit dem höchsten Kirchturm der Welt blieben zwar aus, dennoch will Science City natürlich an die Leistung des 88:81-Auswärtssieges in Göttingen anknüpfen.

Eine Rollenverteilung aus dem aktuellen Tabellenstand ableiten zu wollen wäre dabei aus Jenaer Sicht allerdings nicht nur grob fahrlässig sondern auch extrem naiv. Zwar empfängt das Harmsen-Team als derzeitiger Tabellenzehnter die auf dem 16. Platz rangierenden Ulmer auf heimischen Parkett, dennoch verfügt der Kader von Ulms Coach Thorsten Leibenath über die entsprechende individuelle Qualität und Tiefe, um Playoff-Ambitionen anzumelden. Die (eigentlich) zu den Top Teams der easyCredit BBL zu zählenden Schwaben haben mit nur einem Sieg und fünf Niederlagen ihren BBL-Saisonstart jedoch klassisch in den Sand gesetzt. Während die Ulmer mit einer 77:83-Niederlage gegen den amtierenden Meister aus München in das Spieljahr starteten, hagelte es in den folgenden Wochen meist knappe Niederlagen, die sich erst in den jeweiligen Schlussphase ergaben. Mit nur vier Punkten Differenz in Frankfurt (74:78) verloren und einer 99:103-Niederlage nach zweifacher Verlängerung in Oldenburg, bildet die 91:92-Heimpleite gegen Gießen die Spitze des Misserfolg-Eisberges, während das wahre Potential der Ulmer unter der Wasseroberfläche vor sich hintreibt.

Entsprechend genervt zeigte sich Gäste-Coach Leibenath nach der zurückliegenden 82:91-Heimniederlage gegen die in den ersten Wochen ebenfalls eher selten sattelfest wirkenden Ludwigsburger. „Die ersten drei Minuten waren gut, wir führen mit 10:5. Dann spielen wir 27 Minuten einen absoluten Dreck“, nahm der 43-jährige Trainer in seinem Fazit nach dem Derby kein Blatt vor den Mund. Dabei verfügt das Team der deutschen Nationalspieler-Combo Per Günther und Ismet Akpinar eigentlich über mehr als genügend PS, um sich auf der linken Spur der BBL einzuordnen. Stattdessen mussten die Schwaben zuletzt immer wieder einen Schulterblick auf den Standstreifen des Tabellenkellers riskieren.

Was darf man von denen mit einer Fehlzündung in die BBL-Saison gestarteten Ulmern erwarten? Mit welchem Gesicht werden die Baden-Württemberger am Samstag an der Saale auflaufen? Neben der ernüchternden Bilanz in der easyCredit BBL scheint sich der schwäbische Kontrahent auf internationalem Parkett momentan deutlich wohler zu fühlen. Im 7DaysEurocup bewegt sich der Leibenath-Kader erfolgreicher, rangiert nach drei Heimsiegen gegen Galatasaray Istanbul (103:92), Germani Brescia Leonessa (83:82) und Roter Stern Belgrad (95:80) in der Vorrunden-Gruppe A auf einem aussichtsreichen 5. Platz und besitzt trotz vier Niederlagen weiterhin Chancen auf den Einzug in die Top16. Mit Blickkontakt auf den Spitzenreiter aus der serbischen Hauptstadt, den man am 07. November 2018 deutlich bezwingen konnte, gastierten die Schwaben am Mittwoch im Istanbuler Sinan Erdem Dome. Am  Bosporus unterlag das Team von Trainer Thorsten Leibenath personell gehandicapt schlussendlich zwar mit 69:77, sicherte sich jedoch den möglicherweise noch wertvollen direkten Vergleich.

„Wir haben in der Vorbereitung deutlich gegen Ulm verloren. Sie sind enorm stark besetzt, verfügen über viel individuelle Klasse aber auch die notwendige Tiefe und werden sich ganz sicher für die letzten Ergebnisse in der Liga rehabilitieren wollen“, blickt Jenas Cheftrainer Björn Harmsen auf das Duell gegen die Schwaben voraus. „In der Tabelle steht Ulm derzeit auf dem 16. Platz obwohl sie aufgrund ihres Potentials eigentlich unter die Top5 der BBL gehören. Insofern sollte das Publikum nicht mit der Erwartungshaltung in die Arena kommen, dass wir Ulm locker schlagen. Wir werden um jeden einzelnen Punkt und um jeden Rebound hart kämpfen müssen, um das Spiel lange offen zu halten, brauchen natürlich dabei auch die Unterstützung unserer Fans“, sagt Harmsen. „Dass Jamar Abrams zurück ist, hilft uns insbesondere was die physische Präsenz auf dem Parkett betrifft. Er hatte sich in der Vorbereitung gegen Ulm einen Kapselriss zugezogen, ist am letzten Wochenende zurückgekehrt und konnte beim Sieg in Göttingen einen erfolgreichen Einstand feiern. Leider hat sich am letzten Wochenende unser Center Oliver Mackeldanz verletzt und wird am Samstag ausfallen“, so Harmsen abschließend.

Ungeachtet der personellen Situationen spricht die Erstliga-Bilanz beider Clubs eine sehr deutliche Sprache – pro Ulm. Nach bislang sechs Duellen verließen die Schwaben das Parkett fünfmal als Sieger, dominieren auch das Korbverhältnis souverän mit 534:456. Lediglich das erfolgreiche Jenaer Comeback des zurückliegenden Spieljahres 2017/2018 ging am Ende knapp mit 92:87 an die Thüringer... ein Bilanz, an der Science City Jena am Samstag arbeiten kann und will...