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07. 10. 2018

Unfassbare Schlussphase - Science City Jena gelingt Pokalsensation in Oldenburg

Mit diesem Spielaufgang hätten wohl selbst die kühnsten Optimisten nicht gerechnet. Science City Jena bezwang am späten Sonntagabend die gastgebenden Donnervögel in der Oldenburger EWE Arena sensationell mit 94:91 und zieht nach einer dramatischen und umkämpften Schlussphase verdient in die nächste Runde des BBL-Pokals ein. Ihren Viertelfinalgegner erfahren die Ostthüringer bereits Freitag, wenn in der Halbzeitpause des Duells zwischen ALBA Berlin und den Hakro Merlins Crailsheim die Runde der letzten acht Teams ausgelost wird. Science City Jena betritt unterdessen am kommenden Samstag erstmalig das Parkett der Sparkassen-Arena im Rahmen eines Pflichtspiels, empfängt im prestigeträchtigen Ost-Derby um 18.00 Uhr das Team des Mitteldeutschen BC zum Heimspielauftakt.

Das Pokal-Achtelfinale startete zunächst nicht unerwartet mit einer schnellen Führung der Gastgeber. Immer wieder mit schmerzhaften Nadelstichen aus der Distanz Würfe hochprozentig verwandelnd, gelang es den Oldenburgern anfänglich ihre Führung Punkt um Punkt auszubauen. Science City antworte zu diesem Zeitpunkt zunächst ausnahmslos in Person von Dru Joyce. Der Ex-Oldenburger schien sich an alter Wirkungsstätte sichtlich wohl zu fühlen, legte mit seinen wichtigen Zählern den entscheidenden Grundstein dafür, um den Niedersachsen in dieser Phase auf den Fersen zu bleiben. Während sich schon in der ersten Halbzeit ein wahres Dreier-Festival entwickelte konservierten die EWE Baskets ihren 29:20-Vorsprung des Auftaktviertels bis zum 53:41-Halbzeitstand. Gefühlt deutlich höher in Front liegend, war es den Hausherren nicht gelungen, sich vorentscheidend abzusetzen. Vielmehr ließen sie Science City den entscheidenden Türspalt zur Überraschung offen. Die Ostthüringer wussten diese Gelegenheit im Verlauf der zweiten Hälfte zu nutzen, kämpften sich nach einer konzentrierten Phase bis auf 58:61 (25.) zurück und bekamen im weiteren Verlauf die zweite Luft. Zwar sorgte ein erfolgreicher Buzzerbeater von Oldenburgs Point Guard Will Cummings aus der Mitteldistanz hinein in die Sirene des dritten Viertels für die 73:65-Führung der Huntestädter, Jenas Erstliga-Riesen hatten jedoch ihren Rhythmus längst gefunden.

Entsprechend intensiv und gallig starteten die Saalestädter in den Schlussabschnitt. Völlig unerheblich ob beim Layup, aus der Distanz oder von der Freiwurflinie, Jena warf und verwandelte nun hochprozentig, sorgte neben Sorgenfalten bei den Niedersachsen auch für die Rückkehr des Glaubens an die eigene Stärke. Spätestens nach dem zwischenzeitlichen 78:80-Anschluss (34.) durch einen Dreier von Julius Jenkins war die Partie wieder komplett offen. Baskets-Coach Mladen Drijencic quittierte die leidenschaftlich vorgetragene Aufholjagd der Gäste mit einer Auszeit, welche allerdings nicht den aus Oldenburger Sicht erhofften Umschwung brachte. Vielmehr waren es die Thüringer, die in der verbleibenden Spielzeit ihre Chancen zu nutzen wussten.

Nach zwei erfolgreichen Freiwürfen von Martynas Mazeika (80:81) traf Sid-Marlon Theis mit seinem Dreier zur erstmaligen Führung von Science City (83:81) die Hausherren mitten ins Herz. Die EWE Baskets antworteten mit einem Korb von Will Cummings zum 83:83-Ausgleich, bevor Dru Joyce mit einem verwandelten Freiwurf zum 84:83 den Druck auf die Niedersachsen erneut verstärkte. Frantz Massenat konterte für den Pokalsieger 2015 im Anschluss noch einmal mit einem Dreipunktespiel auf 83:85 bevor Science City zum finalen Richtungswechsel ansetzte. Nachdem Martynas Mazeika mutig zum Korb zog (85:85), Julius Jenkins 79 Sekunden vor der Schlusssirene aus der Distanz nachlegte (88:85), gelang es den Oldenburgern nicht mehr das Ergebnispendel in die eigene Richtung schwingen zu lassen. Zwar hielten Nathan Boothe und Rasid Mahalbasic die EWE Baskets noch bis zum 91:91 im Spiel, das letzte Wort war jedoch Science City Jena vorbehalten.

Zwei nervenstark verwandelte Freiwürfe von Martynas Mazeika zwangen die Hausherren 12 Sekunden vor Ultimo in ihrem finalen Angriff zu einem zeitnahen Abschluss. Geburtstagskind Will Cummings legte zwei Sekunden vor der Sirene jedoch den Ball am Jenaer Korb vorbei und nötigte sein Team zu einem schnell Foul, um die herunterlaufende Uhr zu stoppen. Julius Jenkins, Jenas zweiter ehemaliger Oldenburger, ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen, verwandelte seinen ersten Freiwurf um den zweiten Schuss absichtlich zu kurz anzusetzen. „Wir haben heute sehr viel Charakter bewiesen, haben gezeigt, dass die Leistung des ersten Auftritts in Berlin nicht das wahre Potential unserer Mannschaft widerspiegelt“, bilanzierte der stark spielende Sid-Marlon Theis unmittelbar nach dem faustdicken Überraschungssieg an der Hunte.

Björn Harmsen (Headcoach Science City Jena) "Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft. Nach dem desaströsen Saisonstart in Berlin war es nicht einfach, zu den extrem gut besetzten und gut gecoachten Oldenburger zu fahren. In der zweiten Halbzeit haben wir mit verschiedenen defensiven Varianten gut ins Spiel zurückgefunden und so den Rhythmus der Oldenburger gestört. In so einem engen Spiel sind es vor allem unsere erfahrenen Spieler, die die richtigen Entscheidungen getroffen haben."

Mladen Drijencic (Headcoach EWE Baskets Oldenburg): "Ein verdienter Sieg für Jena. Ich habe unter der Woche versucht, nach dem Braunschweig-Spiel auf die Euphorie-Bremse zu treten. Denn das war nur das erste Spiel mit deutlichem Sieg - nicht mehr. Das war von der Motivation her, das schlimmste, was passieren konnte: Ein perfektes Spiel und Jena gelingt in Berlin nichts. Das ist eine erfahrene Mannschaft, die keine große Motivationsrede ihres Coaches gebraucht haben, um hier bei uns ein anderes Gesicht zu zeigen. Wir haben versucht, unser Team dementsprechend mental auf diese Situation vorzubereiten. In Halbzeit eins waren wir auch in unserem Rhythmus, in der zweiten Hälfte hat uns Jena Kopfzerbrechen bereitet und wir haben einfache Körbe nicht mehr gemacht."

SCJ: Joyce 22 Pkt. (7 Ass.), Mazeika 16, Theis 16, Jenkins 14, Iroegbu 12, Mackeldanz 5, Allen 4, McElroy 3, Wolf 2, Reyes-Napoles

EWE Top 3: Boothe 22, Paulding 18, Mahalbasic 17

Spielfilm: 1. Viertel 20:29 – 2. Viertel 41:53 – 3. Viertel 65:71 – 4. Viertel 94:91