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02. 05. 2021

Aufstiegstraum platzt an der Ostsee – Jena unterliegt Rostock mit 107:104

Ein Spiel mit zwei unterschiedlichen Gesichtern erlebte Science City Jena am 6. Spieltag seiner Playoff-Gruppe bei den ROSTOCK SEAWOLVES. Während die Thüringer zur Halbzeitpause bereits bis auf 61:42 enteilt waren, starteten die Norddeutschen im Verlauf der zweiten Hälfte ein Comeback und überflügelten die Saalestädter am Ende noch mit 107:104.  Während Jenas Aufstiegstraum aufgrund der gleichzeitigen Leverkusener 80:65-Sieges gegen die Artland Dragons geplatzt ist, avancierte Rostocks Veteran Chris Carter als Topscorer der Partie (29 Punkte) mit zahlreichen wichtigen Körben in der Schlussphase zum Matchwinner der Hansestädter. In der durch lediglich zwei Schiedsrichter geleiteten Begegnung, ein Unparteiischer wurde aufgrund eines positiven Testergebnisses vor dem Spiel umgehend in Isolation geschickt wurde, fiel die Entscheidung in erst in der Schlussminute. 

Während sich die Thüringer mit diesem Resultat abrupt aus der Saison verabschieden müssen, ziehen die BAYER Giants in das Meisterschafts-Finale der BARMER 2. Basketball Bundesliga ein und treffen auf einen noch zu ermittelnden Kontrahenten der 2. Playoff-Gruppe. Trotz der Enttäuschung sendet Science City Jena sportlich faire Glückwünsche nach Leverkusen.

Nachdem Science City bei den Seawolves einen Auftakt nach Maß hinlegen konnte, sich im Startabschnitt mit traumwandlerisch sicheren Quoten einen verdienten 28:19-Vorsprung erspielte, knüpften die Thüringer auch im zweiten Viertel fast nahtlos an die Leistung der ersten zehn Minuten an. Wie an der Schnur gezogen rauschten die Bälle durch den Ring der Gastgeber, denen in dieser Phase nur die Rolle des Zuschauers blieb. Die Saalestädter enteilten kontinuierlich zweistellig und lagen nach einem Korb von Robin Lodders zum 59:38 sogar mit 21 Zählern in Front, bevor es mit einem 61:42-Halbzeitstand in die Kabinen ging. 

Straff auf Kurs in Richtung Entscheidungsspiel um den Finaleinzug liegend, setzte Science City auch nach dem Start der zweiten Hälfte zunächst eine von Spielfreude und Treffsicherheit geprägte Vorstellung fort. Bis zu einem Distanzwurf von Kasey Hill, der in der 24.Minute auf 70:49 vorlegen konnte, zweifelte unter den Anwesenden zu diesem Zeitpunkt keiner mehr am Ausgang dieser Partie. Doch die Mecklenburger präsentierten sich mental stabil und streuten mit einem 11:1-Lauf die ersten größeren Sandkörner in den bis dato rund laufenden Jenaer Motor. Von Routinier Chris Carter initiiert, verkürzten die Hanseaten zunächst auf 71:60, bevor ein weiterer Dreier von Tyler Nelson den 76:72-Anschluss (28.) herstellte. Wie in der 9. Runde eines Schwergewichts-Boxkampfes schleppte sich Science City in die finale Pause, lag zu diesem Zeitpunkt allerdings noch mit 81:74 in Front.

Durch ihre Aufholjagd entsprechend motiviert starteten die Hausherren mit enorm breiter Brust in das Schlussviertel. Nachdem Tyler Nelson Jenas Vorsprung auf 89:87 geschrumpft hatte, war es ausgerechnet dem Ex-Jenaer Brad Loesing vorbehalten, mit seinem Korb zum 89:89 (35.) auszugleichen. Science City versuchte die Wucht der Ostseestädter zu kontern und schien sich nach einem Dreier von Julius Wolf sowie einem Korbleger von Zamal Nixon zum 94:89 tatsächlich noch einmal fangen zu können. Nach einer Rostocker Auszeit war es jedoch wiederholt Nelson, der aus der Distanz auf 94:92 stellte, ehe Kasey Hill vor seinem Korbleger zum 96:92 (36.) ein vermeintliches Offensivfoul an Tyler Nelson beging – Rostocks Nummer 2 stand beim „Foul“ klar ersichtlich im No-Charge-Halbkreis. Während Seawolves-Center Till Gloger im direkten Gegenzug stattdessen für den 94:94-Ausgleich sorgte und auch Julius Wolfs Korb zum 96:96 (38.) neutralisieren konnte, kippte Chris Carter mit einem Dreier zum 99:96 die Partie 75 Sekunden vor dem Ende erstmalig in Richtung der Hansestädter. Jenas Headcoach Frank Menz nahm folgerichtig eine Auszeit, aus der Science City durch einen Dreier von Dennis Nawrocki 61 Sekunden vor der Schlusssirene wieder auf 99:99 egalisieren konnte. 

Doch Carter war nun nicht mehr zu bremsen. Ein Layup 49.8 Sekunden vor Ultimo vollstreckte der US-Amerikaner mit Kontakt, verwandelte auch seinen anschließenden Bonus-Freiwurf zum 102:99. Nachdem ein erneuter Dreier von Dennis Nawrocki diesmal sein Ziel verfehlte, waren die Saalestädter gezwungen die Shotclock zu stoppen und schickten wiederholt Carter an die Linie. Bei nur noch 16 Sekunden verbleibender Spielzeit machte Rostocks Veteran keine Gefangenen - 104:99. Erneut zog Science City die taktische Notbremse und wieder saß der anschließende Dreier, diesmal durch Marcus Tyus, zum 104:102. Näher sollten die Thüringer einem möglichen Richtungswechsel jedoch nicht mehr kommen und so hatten alle noch folgenden Aktionen lediglich statistischen Charakter.

Frank Menz (Headcoach Science City Jena): „Wir haben versucht das Unmögliche möglich zu machen, sind aber letztendlich an den Begleitumständen gescheitert. Nach neun Spielen seit unserer letzten Quarantäne haben am Ende physische und mentale Faktoren den Ausschlag gegeben. Rostock konnte sich über eine super Performance in der zweiten Hälfte zurückkämpfen, hat es mit enorm starken Quoten geschafft, dieses Duell zu drehen, ist trotz dieses Sieges aber im Finale ebenso nur Zuschauer wie wir. Unser Team hat Spirit und Moral bewiesen, konnte jedoch das erste Mal in zahlreichen knappen Spielen der letzten Wochen nicht als Sieger vom Parkett gehen. Wille, Glaube und Offensive haben gestimmt, in der Defense waren es in Summe jedoch zu viele Punkte, die wir hinnehmen mussten.“

Dirk Bauermann (Headcoach ROSTOCK SEAWOLVES): „Das Spiel glich einer Achterbahnfahrt. Die Jungs haben unglaublich viel Charakter und Willen gezeigt. Sie haben gezeigt, wie gut sie sind. Das war ein toller Abschluss einer großartigen Saison, in der wir am Ende zwar nicht das ganz große Ziel erreicht haben. Umso wichtiger war auch heute der Sieg, um mit einem guten Gefühl in den Sommer zu gehen.“

Punkteverteilung Science City Jena: Hill 20, Nawrocki 18, Haukohl 13, Lodders 11, Nixon 10, Wolf 8, Odiase 8, Tyus 6, Holland 5, Smith 5 – Radojicic, Jostmann (DNP)

Spielfilm: 1. Viertel 19:28 – 2. Viertel 42:61 – 3.Viertel 74:81 – 4. Viertel 107:104

Vollständiges Scouting

Das Spiel im Re-Live auf Sportdeutschland TV