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05. 05. 2020

Heimspiel in Jena: Mit Science City zu Gast im Stilbruch

Im vorderen Drittel der Wagnergasse, da wo einst der singende Schuhmacher Heinz A. Brassard seine Werkstatt hatte und seit 1995 das beliebte und stets gut besuchte Café Stilbruch seine Heimat fand, ist es still geworden. An einem sonnigen Nachmittag wie diesem müsste man sonst schon eine gehörige Portion Glück haben, um einen der begehrten Fensterplätze ergattern zu können. Heute sind wir mit Inhaber Heiko Krabbes und seinem engen Mitarbeiter Jan Schwabe allein. In Zeiten von Corona gelten leider eben auch für das Café Stilbruch andere Regeln. Wir haben die „verordnete Ruhe“ für ein kleines Gespräch genutzt.

Benjamin: Heiko, bevor wir über Eure aktuelle Situation zu sprechen kommen, zunächst die Frage: Weißt du noch, wie und wann du das erste Mal mit Science City in Berührung gekommen bist?

Heiko: Zum ersten Mal bin ich zwei Jahre vorm Umzug in die Sparkassen-Arena in der alten Halle in Lobeda-West zum Basketball gegangen. Seitdem bin ich als Fan regelmäßig bei euren Heimspielen dabei. Als aktiver Sponsor bzw. Unterstützer gehe ich bereits in mein viertes Jahr.

Benjamin: Was war oder ist der schönste Science-City-Moment an den ihr euch aus dem Stegreif erinnern könnt?

Heiko: Schöne Momente gab es in den letzten Jahren viele, aber ich erinnere mich ganz konkret an das Spiel aus der letzten Saison gegen Trier, bei dem Dennis Nawrocki auf den Schlusspfiff den Dreier zum Sieg verwandelte. Als wir so knapp vor Ende der Partie hinten lagen, hatte ich schon wirklich schlechte Laune und als der Ball dann drin war, dachte ich, ich sehe nicht richtig. (lacht)

Jan: Einen einzelnen Moment herausgreifen kann ich nicht – Für mich ist einfach immer wieder faszinierend, wie intensiv und emotional die Crunchtime ist. Die vielen Gänsehautmomente, die ich als Zuschauer in den letzten Minuten des Spiels bereits erleben durfte, sind ganz klar mein Highlight.

Benjamin: Unabhängig vom Basketball hat auch die Gastronomie eine überaus schwierige Phase zu meistern. Wie sieht es aktuell für das Stilbruch aus? Wie geht es euch, bzw. wie sehr trifft euch die aktuelle Situation?

Heiko: Für uns kam diese neue Situation schrecklich überraschend. Von den wirtschaftlichen Auswirkungen, die nicht nur uns, sondern auch viele andere Kollegen betreffen mal abgesehen, halten wir uns moralisch über Wasser, indem wir im Café alle liegen gebliebenen Arbeiten angehen. Von denen gibt es in einer Kneipe, die regulär gut läuft und die von früh bis spät offen hat, schließlich mehr als genug.

Jan: Auch wenn es mir persönlich im Moment als Angestelltem nicht schlecht geht, teile ich natürlich sämtliche Sorgen mit Heiko, die unsere Zukunft betreffen. Die Frage, wann und wie es weitergehen wird, ist natürlich etwas, was einen aktuell immer wieder ins Grübeln bringt. Nicht zuletzt hängen ja auch viele Existenzen daran.

Heiko: Man kann den jetzigen Zustand eigentlich sehr gut mit einem Basketballspiel vergleichen, wo ich als Fan bis zur letzten Sekunde das Gefühl habe: „Verdammt, das darf doch jetzt nicht wahr sein. Das geht in die Hose!“ Aber trotzdem will man nicht aufgeben, ebenso wie die Jungs auf dem Parkett – und dann werden verloren geglaubte Spiele doch noch gedreht.

Benjamin: Woraus schöpft ihr aktuell die meiste Kraft?

Heiko: Die meiste Kraft ziehe ich daraus, dass ich momentan an vielen Stellen den Eindruck habe, von Freunden umgeben zu sein. Ich bekomme von so vielen Seiten, ob von Stammgästen oder Partnern freundliche und auch tiefgreifende Worte sowie ehrliche Gesten des Beistands, dass ich mich wirklich nicht beklagen möchte.

Jan: Es macht schon viel aus, wenn man von den Leuten ehrlichen Zuspruch erhält. Meine Zahnreinigerin bspw. hat neben aufbauenden Worten auch schon zweimal Frühstück bei uns bestellt. Außerdem schöpfe ich auch viel Kraft aus der unerschütterlichen Zuversicht, die Heiko als unser Fels in der Brandung ausstrahlt.

Heiko: Auf einem Schiff musst du immer die ganze Truppe im Blick haben und darfst dir auch bei eigener Angst nichts anmerken lassen, sondern musst die Situationen für deine Mannschaft tapfer und beherrscht meistern – Das ist die Aufgabe eines Kapitäns. 1945 hatten die Menschen zum Teil nicht mal mehr ein Dach über dem Kopf, geschweige denn Essen auf ihren Tellern. Ich will zwar nicht von Jammern auf hohem Niveau sprechen, aber gerade an solchen Beispielen sieht man doch, dass man die Zuversicht nicht verlieren darf.

Benjamin: Ihr habt im Moment nicht vollständig geschlossen, sondern bietet auch Speisen zum Abholen an. Wie sieht dieses Angebot konkret aus?

Heiko: Das ist ganz einfach: Wir haben jedes Wochenende das Angebot eines Frühstücks, welches inhaltlich fast dem Sonntagsfrühstück entspricht, allerdings haben wir uns dazu entschieden, den Kaffee durch den Morgenmuffel zu ersetzen. Wochentags bieten wir jeden Tag zwei Mittagessen an – nur zwei, damit die Speisen wirklich frisch sind und wir keine Überhänge haben. Dabei ist jeweils ein vegetarisches bzw. veganes Gericht dabei und ein Mittagessen mit Fleisch.

Jan: Wir versuchen dabei, sofern es die Bedingungen zulassen, so nachhaltig wie möglich zu arbeiten, insofern freuen wir uns sehr, wenn unsere Gäste ihre eigenen Gefäße zur Abholung mitbringen. Dafür bedarf es bei der Bestellung nur eines kurzen Hinweises, damit wir uns bei der Zubereitung darauf einstellen können.

Benjamin: Das ist insbesondere für jene, die das Café Stilbruch fußläufig erreichen können ein super Angebot. Plant ihr in absehbarer Zukunft auch, Essen zu liefern, damit ihr noch mehr potentielle Gäste erreichen könnt?

Heiko: Ja. Wir sind gerade dabei, gemeinsam mit der Firma DAKO in ein System einzusteigen, welches die Lieferung unserer Speisen ermöglichen soll. Aktuell können wir jedoch noch nicht sagen, wann wir mit dem Lieferservice an den Start gehen können, da noch einige Fragen geklärt werden müssen. Wir werden unsere Gäste aber definitiv über unsere Kanäle auf dem Laufenden halten.

Benjamin: Dann hoffe ich sehr, dass auch euer To-Go-Angebot auf eine breite Resonanz stößt. Gibt es darüber hinaus noch andere Möglichkeiten, euch zu unterstützen?

Jan: Neben dem fleißigen Erwerben von Gutscheinen, die uns eine Übergangsliquidität verschaffen, würde es uns natürlich sehr freuen, wenn unsere Gäste uns auch weiterhin die Treue halten und dann, sobald sie wieder dürfen, zu uns kommen und sich von uns verköstigen lassen.

Benjamin: Was möchtet ihr den Fans von Science City noch mitgeben?

Heiko: Den Fans von Science City male ich jetzt ein Bild, welches ich seit Jahren in meinem Büro hängen habe. Das Bild zeigt einen Frosch, der gerade von einem Storch gefressen wird, der wiederum aber wenig Freude daran hat, weil der Frosch ihm die Kehle zuhält. Darunter steht: Parole – Niemals aufgeben. Das gilt für den Basketball wie auch für viele andere Dingen im Leben. Es ist wichtig, bis zur letzten Sekunde zu kämpfen und in den allermeisten Fällen geht es gut aus.

Einen Überblick über die Angebote des Café Stilbruch findet ihr online unter www.stilbruch-jena.de oder auf Facebook unter Restauration Stilbruch Jena.