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03. 07. 2009

Lars Eberlein und Tino Stumpf im Interview

Der sportliche Geschäftsführer Tino Stumpf und der kaufmännische Geschäftsführer Lars Eberlein geben in dem folgenden Interview Auskunft über die Situation von Science City Jena, die wirtschaftliche Lage und die sportliche Perspektive.

Herr Eberlein, Herr Stumpf, wie ist die momentane Lage in Jena? Welche kurz- und langfristigen Ziele bestehen derzeit?

LE: Wir bekommen sehr viel positive Resonanz seitens der Sponsoren, der vorgegebene Etat ist bereits nahezu gedeckt. Das kurzfristige Ziel ist in jedem Fall die Strukturierung und Konsolidierung der Baskets Jena GmbH auf wirtschaftlicher Seite bei gleichzeitiger sportlicher Leistungsfähigkeit in einem festgelegten Rahmen, welchen ich als kaufmännischer Geschäftsführer vorgegeben habe. Die langfristigen Ziele sind die Forcierung des unbedingt benötigten Hallenbaus, welcher als langfristiges Grundgerüst eines erfolgreichen und zielorientierten Spielbetriebs von Nöten ist und natürlich die Schaffung einer wirtschaftlich gesunden Basis.

TS: Aus sportlicher Sicht sind wir auf Kurs. Wir haben vor kurzem Levi Dyer verpflichtet, welcher ausdrücklich unser Wunschkandidat für die Centerposition ist. Dazu haben wir bereits von zwei weiteren wichtigen, als Leistungsträgern geplanten Akteuren die Zusage und werden dies die kommenden Tage auch veröffentlichen. Sportlich haben wir natürlich das primäre Ziel, neben dem Fokus der Ausbildung bestimmter Spieler, unsere Punktspiele zu gewinnen. Mit Simon Schmitz, Frieder Diestelhorst, Ryan DeMichael, Levi Dyer und den angestrebten Neuzugängen sind wir gut aufgestellt und können mit dieser Mischung positiv in die neue Saison starten.

Herr Eberlein, Sie sprachen von Strukturierung und Konsolidierung. In wie weit können Sie uns einen Einblick in diese Umstrukturierung gewähren?

LE: Neben der Doppelspitze mit der Trennung von sportlichen und kaufmännischen Verantwortlichkeiten sind wir auch in allen anderen Bereichen strukturierter aufgestellt, so dass die erforderliche Arbeit professionell umgesetzt werden kann. Auf der rein wirtschaftlichen Seite gibt es klare Voraussetzungen, welche wir nachhaltig schaffen müssen, denn eines ist klar; für die 2. Basketball-Bundesliga PRO A, muss man sich auch wirtschaftlich qualifizieren. Viele Vereine scheitern nicht sportlich, sondern wirtschaftlich. Das müssen wir vermeiden. Dafür sind Budgets für alle Bereiche vorgegeben, die eingehalten werden müssen. Wir haben einiges aufzuholen.


Herr Stumpf, in wie weit nimmt diese Budgetierung Einfluss auf die Zusammenstellung des Kaders?

TS: Man hat ja immer Budgets, welche man einhalten muss und ich bin mit dem Erreichten, auch in den Mannschaftsteilen, welche ich noch nicht veröffentlichen konnte, zufrieden. Der Abschied von Ali Seggelke tut dabei natürlich weh, schafft aber viel Platz im Personalbudget. Die andere Seite ist ein deutscher Top–Klub, der an ihm Interesse zeigte und die wirklich große Herausforderung, die man einem ambitionierter Sportler wie Ali nicht vorenthalten kann. Er ist zwar ein leistungsstarker Spieler, wenn er aber bei uns nicht glücklich ist, kann er uns auch nicht helfen.

In den vergangenen Tagen kursierte das Gerücht, Science City Jena würde perspektivisch als „Farm-Team“ des BBL–Aufsteigers aus Weißenfels fungieren. Wie stehen Sie dazu?

TS: In erster Linie kann ich die Aussage entkräften. Vorab muss man natürlich sagen, dass es neben den sicherlich warnenden Beispielen, auch erfolgreiche gibt, wie etwa Kirchheim, die vom Mitwirken Philipp Heyden enorm profitiert haben. Aber es ist doch klar, dass es zunächst höchst sinnvoll ist, einen Kooperationspartner in der BBL zu haben. Wenn dieser, wie der MBC, nur 30 Autominuten entfernt ist und der Headcoach – ein Insider des Jenaer Basketballs – unsere Situation kennt, dann umso besser. Dass es sich hierbei jedoch definitiv um eine Zusammenarbeit handelt, bei der beide Partner mit freier Entfaltung und zum beiderseitigen Nutzen kooperieren, ist selbstverständlich und beide Vereine werden mit einer klug durchdachten Strategie Möglichkeiten erschließen, welche sie sonst nicht hätten. Schaden wird uns das nicht – auch nicht im Fall von Frieder Diestelhorst, der ausschließlich für Science City Jena trainieren und natürlich spielen wird. Wenn sich darüber hinaus in Weißenfels Möglichkeiten ergeben, ist das für sowohl für seine Entwicklung und Perspektive als auch für unseren Erfolg positiv. Wir sind in jedem Fall froh Frieder zu haben. Sollte diese Situation auch für andere Spieler den Schritt nach Jena erleichtern, wäre das allein schon ein guter Grund mit dem MBC zusammen zu arbeiten. Das Team Science City Jena steht dabei aber immer im Vordergrund.

Eine weitere Sorge besteht darin, als sogenanntes Ausbildungsteam, die Identifikation und vor allem sportliche Ziele aus den Augen zu verlieren. Wie bewerten Sie diese Aussage?

TS: Die Besorgnis bei dem Begriff „Ausbildungsteam“ ist unnötig. So wird das Team ausreichend ausbalanciert aufgestellt und es werden den Simons und Frieders erfahrene Haudegen wie Ryan DeMichael und sportlich richtig gute Jungs, wie unsere Amerikaner zu Seite stehen. Doch wir müssen unsere Möglichkeiten, wie die oben angesprochene Budgetierung, ganz klar einhalten. In diesem Zusammenhang ist das „Ausbildungsteam“ auch ein Mittel zum Zweck mit positiven Effekten für alle Beteiligten. Wir haben die Möglichkeit, Spieler einer Güteklasse zu holen, die wir sonst nicht bekommen würden. Für diese Akteure ist Spielzeit verständlicher Weise wichtiger als Geld. Simon Schmitz hat drei Europameisterschaften gespielt und ist aktuell mit der U-20 Nationalmannschaft unterwegs. Darüber hinaus zeigte er in der vergangenen Saison hervorragende Leistungen in der Pro B in Speyer. Er produzierte dort sogar bessere Statistiken als der 1 Jahr ältere Bastian Doreth, der mittlerweile sogar von Dirk Bauermann in die Nationalmannschaft berufen wurde. Frieder Diestelhorst hat vor zwei Jahren auch eine solide U20-EM gespielt und im letzten Jahr dem MBC zum Aufstieg verholfen. Das ist die angesprochene hohe Qualität und die Jungs brennen auf Science City Jena und die kommende Saison. Sie brennen darauf sich weiter zu entwickeln, um perspektivisch in der 1. Bundesliga zu spielen. Ob das mit uns sein wird, wird die Zeit zeigen. Wir können mit diesen Spielern aber nur aufgrund der Verdeutlichung der Perspektiven, welche Sie hier haben zusammenarbeiten. Natürlich ist es auch für uns als Trainer ein toller Anspruch, mit DBB–Jugendnationalspielern oder ambitionierten Spielern aus Übersee arbeiten zu können und sie weiter zu entwickeln. Im Ganzen ist die Idee der Ausbildung aber wie erwähnt ein Mittel zum Zweck, eben eine leistungsfähige und attraktiv aufgestellte Mannschaft aufbieten zu können.

Daraus kann man, um noch einmal auf das Thema zurückzukommen, ableiten, dass der Aufstieg in die Basketball-Bundesliga weiterhin ein Thema ist.

LE: Wie ich oben schon erwähnte, geht es primär um die Schaffung von Strukturen und die Konsolidierung der Baskets. Wenn diese Sachen umgesetzt sind, sprich, man eine, den Anforderungen der Liga genügenden, Halle spielen kann und natürlich die wirtschaftlichen Faktoren es zulassen, ist natürlich der Aufstieg als Ziel ein Thema. Dazu müssen aber alle Gegebenheiten stimmen.

TS: Wie Lars Eberlein schon sagte, geht es um die Strukturen und Gegebenheiten. Wenn diese sowohl wirtschaftlich als auch sportlich stimmen, möchten wir perspektivisch aufsteigen. Genau dafür beginnen wir jetzt die Grundlage zu schaffen. Wir haben mit dem Sportgymnasium, der NBBL und der JBBL eine hervorragende Basis um in absehbarer Zeit oben anzuklopfen, woran auch weiter gearbeitet wird. Und bezüglich unseres Science City Jena Teams in der kommenden Pro A-Saison kann sich jeder sicher sein, dass bei uns immer Feuer brennen wird und eine Mannschaft auf dem Parkett steht, die jeden Gegner mit Leidenschaft und spielerischer Klasse am Limit fordern kann sowie unseren Fans beste Unterhaltung garantiert, auch wenn wir möglicher Weise nicht um den Aufstieg mitspielen werden.