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12. 05. 2022

Nelsons Buzzerbeater bricht Jenaer Basketball-Herz: Rostock siegt in letzter Sekunde mit 77:76

Mit einer gleichermaßen dramatischen wie bitteren 77:76-Niederlage endete am Donnerstagabend die ProA-Saison für Medipolis SC Jena. Die Thüringer unterlagen den ROSTOCK SEAWOLVES in der Schlusssekunde des vierten Halbfinales durch einen Dreier von Tyler Nelson (Topscorer, 22 Punkte) und müssen sich aus den Playoffs verabschieden. Während sich die Hanseaten sportlich für die easyCredit BBL qualifizieren, wird das Team von Domenik Reinboth in der Saison 2022/2023 neu angreifen. Medipolis SCJena gratuliert den Ostseestädtern und wünscht für die kommende Saison alles Gute.

Nachdem sich beide Mannschaften von Beginn an einen intensiven Schlagabtausch geliefert hatten und beim Stand von 19:25 in die erste Viertelpause gingen, legten die Seawolves im zweiten Abschnitt energisch nach. Durch Center Till Gloger zwischenzeitlich bis auf 26:35 (15.) enteilt, versuchte Medipolis SC Jena den Rückstand bis zur Halbzeit zu verkürzen und hatte nach Nico Brauners Dreier zum 35:40 (19.) den Anschluss hergestellt. Die erste mentale Handkante folgte jedoch noch vor der Pausensirene, als Rostocks Veteran Chris Carter aus dem Mittelkreis abdrückte und den Ball unter dem Jubel der knapp 120 Rostocker Fans zum 35:43 im Jenaer Korb versenken konnte.

Die zweite Hälfte begann unterdessen mit einem gewaltigen Knall. Nijal Pearson hatte Jordan Rowland im Anflug auf den Jenaer Ring gesehen, fand seinen Mitspieler und bediente diesen mit einem exzellent gespielten Alley-Oop-Assist zum 35:45. Doch die Jenaer schlugen umgehend zurück, dezimierten den zweistelligen Vorsprung der Gäste mit zwei schnellen Dreiern durch Brandon Thomas und Vuk Radojicic wieder auf 41:45 (23.), bevor Chris Carter bei einem anschließenden Wurfversuch an Center Alex Herrera abperlte. Nachdem sich die Hanseaten wieder gesammelt hatten und ihre Angriffe überwiegend erfolgreich abschließen konnten, war es Seawolves-Center Till Gloger, der mit seinem Korb zum 41:53 (25.) für die höchste Führung der gesamten 40 Minuten sorgte. Medipolis SC Jena blieb in dieser Phase bemüht, den Rückstand auf Rostock nicht abreißen zu lassen und ging beim Score von 52:60 in die letzte Pause.

Angetrieben von gut 1.900 Jenaer Fans verkürzte Jena zu Beginn des Schlussviertels durch einen Dreier von Vuk Radojicic zunächst auf 59:63 (33.) bevor es im weiteren Verlauf noch wesentlich knapper werden sollte. Im offensiven Wechselspiel zwischen Kapitän Julius Wolf und Vuk Radojicic war es den Thüringern bis zur 38. Minute tatsächlich gelungen das Duell wieder auf Null zu stellen. Speziell der erfolgreiche Dreier des erst 20-jährigen Serben zum 72:72-Ausgleich hatte für lautes und lang gezogenes Jaaaaaaa auf den Jenaer Tribünen gesorgt, bevor Julius Wolf die Begegnung 45.3 Sekunden vor Ultimo mit einem energischen Korbleger auf 74:72 drehte – Timeout Rostock. Längst hatte der dramatische Richtungswechsel innerhalb der zurückliegenden Minute sämtliche Zuschauer von ihren Sitzen gerissen.

Die letzte mentalen Körner mobilisierend, versuchte sich Rostocks Tyler Nelson direkt nach der Seawolves-Auszeit mit einem überhasteten Wurf aus der Mitteldistanz, scheiterte jedoch und nachdem Chris Carter beim defensiven Rebound Jenas Aufbauspieler Rayshawn Simmons an die Linie schickte, versagten ausgerechnet Jenas Helden aus Spiel 3 des Viertelfinalserie gegen Paderborn an der Linie die Nerven. Beide Würfe verfehlten 40.7 Sekunden vor dem Ende ihr Ziel und wurden prompt von Nelsons Schuss zum 74:74-Ausgleich quittiert. Die letzten 23.8 Sekunden dieses Halbfinals begannen mit einem Jenaer Baseline-Einwurf, welcher in den Händen von Ray Simmons landete. Der US-Amerikaner melkte zunächst die Uhr, fand bei nur noch 6.8 Sekunden Restspielzeit Flügel Stephan Haukohl, der 4.4 Sekunden vor dem Ende mit seinem Korbleger zur Jenaer 76:74-Führung die A-, B- und C-Blöcke komplett eskalieren ließ.

Natürlich folgte umgehend ein Timeout der Norddeutschen, die, wie Seawolves-Coach Christian Held nach der Partie zugab, klar auf einen Dreier gehen wollten. So landete der Einwurf über Chris Carter in den Händen von Tyler Nelson, der den Ball 1.8 Sekunden vor Schluss jenseits des 6.75m-Perimeters auf die Reise schickte, fast parallel mit dem Buzzer verwandelte und die Jenaer Hoffnungen auf ein 5. Halbfinale am Sonntag in Rostock zerstörte.

Die Halbfinalserie war vorbei, Jenas Playoffs gelaufen und während die Gäste mit dem Rostocker Anhang ihren erstmaligen BBL-Aufstieg feierten, vergruben einige Spieler der Thüringer ihre von Tränen gezeichneten Gesichter tief in den Trikots.

Kopf hoch, Jungs!

Punkteverteilung Medipolis SC Jena: Radojicic 17, Wolf 12, Simmons 11 (10 Ass.), Thomas 9, Herrera 7 (11 Reb.), Haukohl 6, Brauner 6, Kazadi 4, Chapman 4, Alberton – Plescher Bank (DNP)

Spielfilm: 1. Viertel 19:25 – 2. Viertel 35:43 – 3. Viertel 52:60 – 4. Viertel 76:77

Kompletter Boxscore

Das Spiel im Re-Live auf Sportdeutschland TV