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05. 04. 2021

Science City feiert gegen Heidelberg großartiges Comeback nach Quarantäne

Mit einem gleichermaßen knappen wie umkämpften 70:69-Heimsieg gegen die MLP Academics Heidelberg meldet sich Science City Jena erfolgreich in der regulären Saison der BARMER 2. Basketball Bundesliga zurück. Nachdem die Thüringer bis zum 01. April 2021 in einer über zweiwöchigen Quarantäne isoliert waren, stand das Duell gegen die Neckarstädter trotz Pflichtspielcharakter unter der Devise „Vorbereitung“ für die aller Wahrscheinlichkeit nach am 17. April startenden Playoffs.

Nicht zuletzt aus Gründen der Belastungssteuerung  achtete Cheftrainer Frank Menz bei allen Akteuren auf eine ausgewogene Verteilung der Einsatzminuten, deren 25-Minuten-Grenze am Ende lediglich von Stephan Haukohl gerissen wurde. Der Jenaer Flügelspieler war es schlussendlich auch, der mit seinem Block gegen Shyron Ely in den Schlusssekunden die hauchdünne 70:69-Führung über die Ziellinie rettete.

Die Rivalität der beiden Basketball-Clubs aus Jena und Heidelberg ist um ein spannendes und defensiv geprägtes Kapitel reicher. Keine 24 Stunden nach dem Tag der Auferstehung meldete sich Science City Jena am Ostermontag charakterstark aus seiner Corona-bedingten Pflichtspiel-Pause zurück und bezwang die als Favorit in das Duell gestarteten Baden-Württemberger in den Schlusssekunden. Während die Gastgeber mit der Prämisse „fit werden, verletzungsfrei bleiben und Rhythmus aufnehmen“ in die Partie gestartet waren, im Verlauf der 40 intensiven Minuten von der Abschlussschwäche der Neckarstädter profitierten, unterstrich dieses Spiel einmal mehr die Unberechenbarkeit des Basketballs. Ungeachtet dessen sollte dieser Erfolg „nur“ als schöne Randnotiz auf dem Weg in Richtung Playoffs 2021 betrachtet werden, da auch in den beiden noch ausstehenden Begegnungen gegen Quakenbrück und in Rostock die Gesundheit des Kaders höchste Priorität genießt.

Während die Gäste aus dem Südwesten Deutschlands zunächst besser in das Spiel fanden, durch zwei Dunks von Phillipp Heyden (2:4) und Shyron Ely (4:10) die ersten Duftmarken setzten, benötigte Science City das Auftaktviertel, um sich den Rhythmusverlust der zurückliegenden Wochen aus den Trikots zu schütteln. Wichtig in dieser Phase war es, die Heidelberger nicht allzu weit enteilen zu lassen und die Begegnung möglichst knapp zu halten. So konterte Marcus Tyus aus der Distanz einen Dreier von Evan McGaughey zum zwischenzeitlichen 9:15 (7.) bevor es nach einem Alley Oop von Drew Smith sowie einem Freiwurf durch Heidelbergs Point Guard Sa'eed Nelson mit 14:21 in die erste Pause ging. Nach dem Auftakt in den zweiten Spielabschnitt kam Science City Jena zunehmend besser in Fahrt. Punkt um Punkt schrumpfte der Vorsprung der Baden-Württemberger, die ihre Führung trotz Jenas zwischenzeitlicher Aufholjagd fast durchgehend verteidigen konnten. Über 22:23 (Stephan Haukohl) bis zum 28:29 (Julius Wolf) hangelte sich die Partie kontinuierlich in Richtung Halbzeitpause, bevor Vuk Radojicic per Dreier zum 32:32 (17.) ausgleichen konnte. Auch Jenas erste Führung nach einem Dunk von Andrew Smith zum 34:32 (28.) hielt nur temporär, bevor die Academics den Score durch Shaun Willett und Armin Trtovac korrigierten und sich mit einer hauchdünnen Vorsprung von 34:35 in die Kabine verabschiedeten.

Nachdem sich im Verlauf der ersten Hälfte ein überraschend offener Schlagabtausch entwickelt hatte nahm die Partie im dritten Viertel noch einmal an Dramatik zu. Allein vier Führungswechsel innerhalb der ersten beiden Minuten standen im dritten Abschnitt exemplarisch für die Ausgeglichenheit, Spannung und Anspannung beider Teams. Während Heidelbergs Aufbauspieler Niklas Würzner seine Mannschaft in der 24. Minute wieder „verhältnismäßig“ komfortabel mit 41:47 in Front gebracht hatte und das Spiel zu Gunsten der Gäste abzukippen drohte, waren es Julius Wolf und Zamal Nixon, die diese statistische Lücke schlossen und erneut auf 48:49 verkürzten. Konstant um Anschluss bemüht, veredelte Robin Lodders ein scharfes 5-Meter-Anspiel von Zamal Nixon zum Assist, bevor Jenas Center nur wenige Sekunden später auf 51:51 ausgleichen konnte. Nach einem Freiwurf von Dennis Nawrocki mit 52:51 unmittelbar vor dem Ende des Viertels in Führung liegend, hätte Science City fast um ein Haar mit einem noch größeren Vorsprung in den finalen Abschnitt starten können. Der erfolgreiche Distanzwurf von Andrew Smith mit Ablauf der Sirene kam jedoch um einen Wimpernschlag zu spät und so blieb es beim Konjunktiv.

Mit Beginn des letzten Spielabschnitts war die Zeit der offenen Visiere gekommen. Fast einem Spiegelbild des dritten Viertels gleichend, pendelten zunächst die Führungen in beide Richtungen, bevor es den Neckarstädtern gelang, sich wiederholt abzusetzen. Ein Dreier von Albert Kuppe sowie zwei Freiwürfe von Sa'eed Nelson zum Ausbau der Führung auf 54:61 (33.) hätten das Potenzial eines wegweisenden Vorsprungs gehabt, doch Science City bewies enorme Nehmerqualitäten. Ungeachtet vergebener Chancen am offensiven Brett hielt die Verteidigung der Thüringer stand, ein Ansatz, der sich auch in den bevorstehenden Playoffs durchaus zu einem Erfolgsgaranten entwickeln könnte. Während sich die Gastgeber anschließend durch Punkte von Kasey Hill zurück in Schlagdistanz brachten, in der 35. Minute nur noch mit 60:63 in Rückstand lagen, zog Heidelbergs Coach Frenki Ignjatovic die taktische Notbremse – Auszeit und das Signal zum Start in die Crunchtime der Partie.

Nun waren die Führungsspieler beider Teams gefragt und sie übernahmen die ihnen übertragene Verantwortung ohne Zögern. Shyron Ely, Stephan Haukohl, Kasey Hill schoben den Spielstand wechselseitig auf 63:65, bevor Phillipp Heyden den Ball 88 Sekunden vor Ultimo zum 63:67 in den Korb der Hausherren murmelte. Erneut Timeout, diesmal von Jenas Cheftrainer Frank Menz, der seiner Mannschaft die Gelegenheit gab, um sich zu sammeln und das möglicherweise entscheidende Play zu verinnerlichen. Der Spielzug von Science City war von Erfolg gekrönt, nachdem der Ball mit nur wenigen Stationen in den Händen von Marcus Tyus landete und Jenas Scharfschütze ohne mit der Wimper zu zucken zum 66:67-Anschluss abdrückte. Nachdem Stephan Haukohl im Anschluss gegen Sa'eed Nelson seinen ersten Schlüssel-Block setzte, Julius Wolf in der folgenden Offensiv-Sequenz den völlig verwaisten Robin Lodders unterm Academics-Kob fand, lag Science City 48.6 Sekunden vor dem Ende plötzlich wieder mit 68:67 in Front – Timeout Heidelberg. Zwei Freiwürfe von Phillipp Heyden sowie eine weitere Jenaer Auszeit später gelang Kasey Hill ein No-Look-Durchstecker auf Andrew Smith, der im Wurf gefoult wurde, an der Linie nervenstark genug blieb und beide Würfe zum 70:69 versenkte. Während die Uhr bei 14.3 Sekunden Restspielzeit langsam heruntertickte, der Ball bei Shyron Ely landete, setzte der Go-to-Guy der Academics vier Sekunden vor der Sirene zum finalen Schuss an – und wurde von Stephan Haukohl geblockt. Zwar gelang es Jordan Geist den abprallenden Rebound zu greifen, doch auch sein Wurf 2.5 Sekunden vor dem Ende verfehlte das Ziel, bevor auf der Jenaer Mannschaftsbank die ersten Handtücher jubelnder Mitspieler flogen.

Frank Menz (Headcoach Science City Jena): „Ehrlich gesagt bin ich sehr überrascht, dass wir heute gewinnen konnten. Wenn man die letzten Trainingstage betrachtet, ist die Mannschaft noch lang nicht bei einhundert Prozent. Insofern bin ich sehr zufrieden, alle sind Happy, dass es heute mit einem Sieg geklappt hat. Ich denke, dass wir alles herausgeholt haben, was wir rausholen konnten. Man hat schon gesehen, dass wir körperlich nicht so präsent waren wie sonst. Das konnten wir mit unseren Wechseln aber sehr gut kompensieren. Die ganze Mannschaft hat an diesem großartigen Sieg ihren Anteil. Auch wenn wir ein wenig Glück hatten, dass Heidelberg nur drei von 21 Dreiern verwandeln konnte, haben wir defensiv gut gespielt. Es waren viele kleine wichtige Momente, die heute den Ausschlag zu unserem Sieg gegeben haben. Unabhängig vom Ergebnis heute werden wir alle weiteren Spiele nutzen, um wieder Rhythmus zu bekommen.“

Frenkie Ignjatovic (Headcoach MLP Academics Heidelberg): „Im Großen und Ganzen haben wir schon gewusst, dass es eine knappe Angelegenheit wird. Meiner Meinung nach haben wir schon in der ersten Halbzeit eine große Chance verpasst, mit einem deutlicheren Vorsprung in die Pause zu gehen. Am Ende war es nur ein Punkt, was sicher daran lag, dass wir heute einen Rekord gebrochen haben. Seit ich Trainer bin war das die schlechteste Wurfquote meines Teams aus der Distanz. Nur drei Treffer bei 23 Versuchen ist wirklich ein unglaublich schlechter Wert. Ich sage nicht, dass Jena viel besser war, aber es war mit Sicherheit ein Faktor, der dazu beitragen hat, dass dieses Spiel knapp geblieben ist. Jeder der Ahnung vom Basketball hat, findet bei einer Niederlage mit nur einem Punkt 1000 Szenen, an denen es letztendlich gelegen haben könnte. Mit unserer defensiven Leistung bin ich nicht unzufrieden, aber offensiv war es sicher eines der schlechtesten Spiele meiner Mannschaft, die ich dieses Jahr gesehen habe.“

Kasey Hill (Topscorer Science City Jena): „Das war ein großartiges erstes Spiel von uns, speziell gegen eines der Topteams der Liga. Ich denke, dass wir ziemlich gut gespielt haben, wenn man bedenkt, dass wir erst seit wenigen Tagen aus der Quarantäne raus sind. Ich hab mich, abgesehen von ein paar Fehlern im Spiel insgesamt schon ganz gut gefühlt.“

Stephan Haukohl (Matchwinner-Mutombo Science City Jena): „Der Sieg ist natürlich ein super Einstieg nach der Rückkehr aus der Quarantäne und zeigt, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden. Wir haben mit Heidelberg eines der stärkeren Teams dieser Liga geschlagen. Das gibt viel Selbstvertrauen und den nötigen Ernergieschub für die nächsten Aufgaben. Wir haben jetzt noch zwei Spiele gegen Mannschaften, auf die wir möglicherweise in den Playoffs treffen könnten und wollen bestmöglich vorbereitet in das Turnier starten. Daran werden wir in den nächsten beiden Wochen arbeiten.“

Punkteverteilung Science City Jena: Hill 16, Smith 12, Lodders 8, Tuys 7, Wolf 6, Nixon 6, Haukohl 5, Radojicic 5, Odiase 4, Nawrocki 1, Jostmann – Rodrigues (DNP)

Spielfilm: 1. Viertel 14:21 – 2. Viertel 34:35 – 3. Viertel 52:51 – 4. Viertel 70:69

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