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08. 04. 2021

Science City schlägt Quakenbrück - Siegreicher Heimspielausklang mit Wermutstropfen

Science City Jena verabschiedete sich am Donnerstagabend mit einem umkämpften 97:93-Sieg gegen die Artland Dragons aus der Heimspielserie der regulären Saison. Während sich die Saalestädter im Verlauf der gesamten 40 Minuten gegen eine traumwandlerisch sicher Dreierquote der Niedersachsen (15/26, 58 Prozent) wehren mussten, fiel die Entscheidung wie schon gegen Heidelberg erst in der Schlussminute. Trotz der erfreulichen Rückkehr von Demarcus Holland, der aufgrund eines Schienbeinbruchs über Monate ausgefallen war, hatten die Thüringer einen Wermutstropfen zu verzeichnen. Flügelspieler Stephan Haukohl verletzten sich zu Beginn des dritten Abschnitts und musste von der medizinischen Abteilung vom Parkett getragen werden. 

Die offensiv geprägte Partie startete im Gegensatz zum Duell am Ostermontag gegen Heidelberg mit äußerst stabilen Trefferquote. Hüben wie drüben fielen zahlreiche Würfe meist ohne Ringberührung und ließen die Spielstände früh nach oben schnellen. Aus dem Blickwinkel der Thüringer bedenklich, für die Drachen hingegen wie gemalt, schien Jenas Korb früh eine magische Anziehungskraft entwickelt zu haben, deren Sogwirkung über das gesamte Spiel anhalten sollte. Eine makellosen Bilanz jenseits des Perimeters (6/6) und die daraus resultierenden 18 Punkte ließen die Niedersachsen nach zehn Minuten mit einer 29:27-Führung in Richtung Bank gehen. Höchst erfreulich aus Jenaer Sicht war in der 8. Minute das Comeback von Demarcus Holland zu notieren, der seit seinem Schienbeinbruch Anfang Dezember 2020 erstmalig wieder Pflichtspiel-Parkett betrat.

Auch im Verlauf des zweiten Abschnitts lieferten sich beide Kontrahenten einen atemberaubend offenen Schlagabtausch. Von zahlreichen ausgeglichenen Zwischenständen oder Führungswechseln dominiert, blieb beiden Teams nur wenig Zeit für mentale Pausen. So schraubten Gastgeber und Gäste fast im Gleichschritt den Score nach oben. Nachdem Stephan Haukohl in der 15. Minute Marcus Tyus mit einem mustergültigen Assist bediente, Jenas 23 per Dreier zum 43:39 vollendete, konterten die Drachen auf 44:46 (17.). Eine energische Coast-to-Coast-Wanderung von Julius Wolf, der alle sich in den Weg stellenden Drachen nur als Statisten zurückließ, sorgte kurzzeitig für den erneuten 46:46-Ausgleich, bevor Robert Oehle via Hookshot und Vuk Radojicic aus der Distanz auf 49:48 nachlegten. Zum Highlight des Viertels avancierte unterdessen ein gleichermaßen schwieriger wie schöner Fade away von Marcus Tyus der Jenas Vorsprung auf 51:48 erhöhte. Der finale Korb der ersten Hälfte blieb Zamal Nixon vorbehalten, der nach seinem Steal gegen Gerel Simmons im folgenden Fastbreak nicht zu halten war und 11.2 Sekunden vor der Halbzeitsirene auf 55:49 stellte.

Dass das Duell jedoch noch weit davon entfernt war, einer Vorentscheidung entgegenzusehen, verdeutlichte der Verlauf im dritten Viertel. Zunächst hatte Science City eine äußerst bittere Pille zu schlucken, nachdem Stephan Haukohl unter dem Korb der Dragons umknickte und von der medizinischen Abteilung vom Parkett getragen werden musste. Während die Saalestädter zu diesem Zeitpunkt mit 59:52 (22.) in Front gelegen hatten, kippte das Duell anschließend in Richtung der Gäste. Artland-Aufbauspieler Zach Ensminger, an diesem Abend einer der besten Akteure im Team von Trainer Tuna Isler, sorgte zunächst für den 61:61-Ausgleich, bevor es mit einem Stand von 69:72 in das letzte Viertel ging.

Durch den Ausfall von Stephan Haukohl um einen spielintelligenten Akteur dezimiert, antwortete Science City mit der kompletten Bandbreite und Wucht seiner Qualitäten. So führte zunächst Zamal Nixon die Thüringer wieder auf 73:74 heran, bevor sich Demarcus Holland mit seinem Dreier aus der Ecke zum erneuten Ausgleich (33., 76:76) auch statistisch entscheidend zurückmeldete. Einem Schwergewichts-Boxkampf in der 10. Runde gleichend, setzten beide Mannschaften Haken um Haken, ohne das ein Konkurrent zu Boden ging.

In Summe waren es atemberaubende 14 ausgeglichene Spielstände und wechselnde Führungen, die sich im Verlauf des siebenminütigen Hitchcock-Finales abwechselten. Das bessere Ende hatte Science City einer nicht nur sportlich sondern auch mental starken Performance in der Schlussphase zu verdanken, die durch Norense Odiase 7.1 Sekunden und Kasey Hill 2.7 Sekunden vor der Sirene an der Freiwurflinie nervenstark vergoldet wurde.

Frank Menz (Headcoach Science City Jena): „Das war ein ganz schweres Spiel für uns aber ein Schritt nach vorn. Wir haben, wie schon im letzten Spiel, körperlich nicht gut ausgesehen, dafür als Team gut gespielt und dagegengehalten. Die Jungs haben alles reingehauen und wir haben wieder viel durchgewechselt. Leider konnten wir es nicht ganz verhindern, dass sich mit Stephan Haukohl einer unserer Spieler verletz. Das ist richtig bitter für ihn und unser Team. Insgesamt ist es uns gelungen, die Ziele , die wir uns vorgenommen hatten, soweit ganz gut umzusetzen. Quakenbrück ist neben Trier die zweitbeste Rebound-Mannschaft. Wir haben dieses Duell unter den Körben heute deutlich gewonnen, doppelt so viele Offensiv-Rebounds geholt wie der Gegner und uns nur sieben Ballverluste erlaubt. Das waren in der Endabrechnung zehn weniger als bei unserem Kontrahenten. Ich denke, wir haben die Sache heute sehr sehr gut gemacht, konnten die Minuten verteilen, da ja bereits Übermorgen das letzten Duell in Rostock ansteht.“

Tuna Isler (Headcoach Artland Dragons): „Es ist sehr schade, dass wir heute als Verlierer vom Parkett gehen, obwohl wir von Beginn an ganz gut im Spiel waren. Jena hat sich kurzzeitig absetzen können, doch wir haben uns wieder zurückgekämpft. Normalerweise würde man erwarten, dass eine 58-prozentige Dreierquote zum Sieg reicht. Doch dafür haben uns die 16 Jenaer Offensiv-Rebounds ebenso wehgetan wie unsere 17 Turnover, die eben nicht nur als Ballverlust gezählt werden, sondern meist auch einfach Punkte des Gegners nach sich ziehen. Dennoch haben die Jungs gekämpft und wir als Team eigentlich genau das gezeigt, worauf wir gehofft hatten bzw. so gespielt, wie wir hier auftreten wollten. Ich bin grundsätzlich mit unserer Defense zufrieden. Im dritten Viertel haben wir gezeigt, wie gut wir verteidigen können. Eigentlich ist es uns gelungen, dass Spiel so zu gestalten, wie wir es uns vorgenommen hatten. Wir haben viel Druck gemacht und variabel agiert. Besonders stolz bin ich auf unsere jungen Spieler, die mit viel Herz gespielt und viel Verantwortung übernommen haben.“

Marcus Tyus (Topscorer Science City Jena): „Wir haben heute einen großartigen Sieg eingefahren. Schließlich ist unser Team nach der Quarantäne immer noch dabei, Rhythmus zu bekommen und sich die zweiwöchige Pause aus den Beinen zu spielen. Wir machen derzeit richtige und wichtige Schritte nach vorn, positive Schritte als Team, um uns auf die Playoffs vorzubereiten. Natürlich bleiben noch genügend Dinge, aus denen wir im Training und bei der Videoanalyse lernen können. Aber wir arbeiten jetzt einfach weiter, um und zu verbessern.“

Stephan Haukohl (Flügelspieler Science City Jena): „Ich denke, dass uns am Ende die richtigen Plays gelungen sind, um dieses Spiel verdient zu gewinnen. Sowohl offensiv als auch defensiv haben wir in den entscheidenden Phasen die richtigen Entscheidungen getroffen, hatten die richtigen Männer auf dem Feld. Jetzt haben wir noch ein Spiel bevor es richtig losgeht. Auch wenn uns dieser Sieg heute alles abverlangt hat, ist es eine super Vorbereitung auf die kommenden Wochen. Aus so einem Duell mit einem Sieg rauszugehen ist immer gut und wichtig für das Selbstvertrauen, aber auch für die Motivation im täglichen Training. Hinsichtlich meiner Verletzung hoffe ich, dass ich nach ein oder zwei Wochen zurückkehren kann. Mehr lässt sich erst nach dem MRT-Termin am Freitag sagen.“

Punkteverteilung Science City Jena: Tyus 24, Nixon 17, Hill 11, Odiase 10, Lodders 7, Wolf 6, Haukohl 6, Smith 5, Holland 4, Radojicic 3, Nawrocki 2, Jostmann 2

Spielfilm: 1. Viertel 27:29 – 2. Viertel 55:49 – 3. Viertel 69:72 – 4. Viertel 97:93

Vollständiges Scouting

Das Spiel im Re-Live auf Sportdeutschland TV